Profitiert Deutschland von der Zuwanderung aus Osteuropa?

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Die EU-Osterweiterungen stellen bis heute die größte Ausdehnung der europäischen Arbeitsmärkte dar. Insgesamt über 102 Millionen Osteuropäer/-innen erlangten dadurch das Grundrecht auf Arbeitnehmerfreizügigkeit. 18 Jahre nach der ersten Erweiterungsrunde zieht ZEW-Ökonomin Dr. Katrin Sommerfeld in der aktuellen Folge des ZEW-Podcasts „Wirtschaft · Forschung · Debatten“ eine Bilanz. Außerdem erklärt sie, wie Deutschland auch in Zukunft von osteuropäischen Arbeitskräften profitieren kann.

Portraitfoto von Wissenschaftlerin Katrin Sommerfeld mit Informationen zur Podcastfolge
Um Personen mittel- und langfristig an den deutschen Arbeitsmarkt zu binden, sei es notwendig, Menschen Entwicklungsperspektiven zu geben, meint ZEW-Migrationsexpertin Sommerfeld.

Die Beschäftigten aus den sogenannten EU-8- und EU-2-Ländern arbeiten am häufigsten in der Post- und Lagerwirtschaft (170.000 Beschäftigte), in der Fahrzeugführung (107.000) und in der Reinigung (102.000), so das Ergebnis einer im April erschienenen ZEW-Kurzexpertise. Insbesondere in der Lagerwirtschaft sei in den letzten Jahren ein großes Beschäftigungswachstum festzustellen, erzählt Mitautorin Sommerfeld im Podcast. „Die Zahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten der EU-8-Länder hat sich hier seit 2011 mehr als versiebenfacht, aus den EU-2-Ländern Bulgarien und Rumänien hat sich die Beschäftigung um den Faktor 24 vergrößert“, so die Ökonomin.

Zügige Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und Berufserfahrungen wichtig

Darüber hinaus arbeiten Beschäftigte aus den neuen EU-Ländern oft in Berufen, in denen Fachkräfte gesucht werden: 43 Prozent der osteuropäischen Beschäftigten arbeiten in Engpass-Berufen, während es bei den Einheimischen nur rund 32 Prozent sind. „Das ist ein Hinweis darauf, dass Menschen aus Osteuropa überproportional in Engpassberufen arbeiten und dementsprechend tendenziell zu einer Entlastung des deutschen Arbeitsmarktes beitragen“, sagt Sommerfeld. Um Personen mittel- und langfristig an den deutschen Arbeitsmarkt zu binden, hält die Ökonomin es für notwendig, Menschen Entwicklungsperspektiven zu geben. „Das scheint in Branchen, die geringe Anforderungen haben, eher nicht der Fall zu sein“, mahnt Sommerfeld. Ihr Appell an die Politik: „Man muss darüber nachdenken, wie die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen zügig und gut geregelt werden kann und wie man Berufserfahrungen möglichst gut als Qualifikation ausweisen kann.“

Damit politische Maßnahmen in Zukunft besser evaluiert werden können, ist nach Ansicht der Ökonomin außerdem der Aufbau einer besseren Datenbasis wichtig – um so auch andere Beschäftigungsformen wie Entsendungen oder Selbstständigkeit wissenschaftlich erfassen zu können. „Gerade im Bereich der häuslichen Pflege ist die Datenlage sehr unübersichtlich“, kritisiert Sommerfeld.

Datum

04.05.2022

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