Unternehmen mit einer gut ausgebauten digitalen Infrastruktur nutzen diese für eine aggressivere Steuerplanung als Unternehmen mit geringerer digitaler Kompetenz. Das heißt, sie verlagern Gewinne konzernweit effizienter in europäische Staaten mit niedrigen Steuersätzen und können damit ihre Konzernsteuerquote senken, wie eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim und der Universität Mannheim nahelegt. „Die von den Tochtergesellschaften internationaler Unternehmen ausgewiesenen Gewinne sind dort höher, wo die örtlichen Steuersätze niedriger sind. Dieser Zusammenhang ist ausgeprägter bei Unternehmen mit digitaler Infrastruktur, wie z. B. Enterprise-Resource-Management-Systeme, mit deren Hilfe Unternehmen den Einsatz ihrer Ressourcen planen, steuern und verwalten“, sagt Christopher Ludwig, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft“ und Mitautor der Studie.

Internationale Konzerne mit guter digitaler Infrastruktur effizienter.
Aktuelle Studie zeigt, dass internationale Konzerne ihre digitale Infrastruktur nutzen, um Gewinne zu verlagern und damit ihre Steuerquote zu senken.

Dieser Effekt verstärkt sich noch, wenn internationale Unternehmen einen Abteilungsleiter für Rechnungswesen haben. „Dann verfügen sie über die Kompetenz, die durch die Analyse interner Daten zusätzlich gewonnenen Informationen auch für die Steuerplanung einzusetzen“, erläutert Daniel Klein, Wissenschaftler an der Universität Mannheim und ebenfalls Mitautor der Studie.

Digitale Konzerne reagieren schneller auf Änderungen des Steuersatzes

Die Studie von ZEW und Universität Mannheim zeigt zudem, dass internationale Konzerne mit guter digitaler Infrastruktur sensibler auf Steuersatzänderungen reagieren als weniger stark digitalisierte Unternehmen. Christopher Ludwig führt aus: „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass digitalisierte Unternehmen ihre Gewinne schneller aus Ländern mit gestiegenem Steuersatz wegverlagern. Spiegelbildlich verlagern sie ihre Gewinne schneller hin zu Ländern mit gesunkenem Steuersatz.“

Die Wissenschaftler verwenden für ihre Analyse verschiedene Datensätze für 20 europäische Länder in den Jahren 2005 bis 2016. Sie betrachten insgesamt 24.715 Unternehmen, die zu 12.216 internationalen Konzernen gehören. Der Aberdeen CiTDB Datensatz gibt Auskunft darüber, wie europäische Unternehmen Informations-Technologien (IT) einsetzen, und die ORBIS Datenbank des Bureau van Dijk liefert unkonsolidierte Finanzdaten und Informationen zu Eigentumsverhältnissen.

Studie untersucht erstmals Auswirkung der Digitalisierung auf Steuerabteilungen

Betrachtet werden drei IT-Anwendungen, anhand derer – je nach unterschiedlich starker Nutzung – die untersuchten Konzerne in Gruppen mit guter, mittlerer und geringer digitaler Infrastruktur eingeteilt werden. Diese sind: Enterprise-Resource-Management-(ERP)-Systeme, mit deren Hilfe Unternehmen den Einsatz ihrer Ressourcen (beispielsweise Personal, Kapital, Material, …) planen, steuern und verwalten, Datenbankmanagement-Systeme (DBMS), mit deren Hilfe Unternehmen Datenbanken aufbauen und verwalten, sowie Groupware-Software, mit deren Hilfe Unternehmen die Kommunikation innerhalb des Betriebs ermöglichen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch über Ländergrenzen hinweg vernetzen.

In wissenschaftlichen Studien wurden bisher lediglich die Auswirkungen der digitalen Transformation von Unternehmen auf die zentralen Geschäftsfelder untersucht. Die vorliegende Studie von ZEW Mannheim und Universität Mannheim analysiert nun erstmals, wie diese Technologien das unternehmerische Handeln auch in unterstützenden Konzernfunktionen wie bspw. der Steuerabteilung verändert.

Datum

19.10.2020

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