Die heute von der EU-Kommission vorgestellte Reform des europäischen Emissionshandels senkt die Kosten für den Klimaschutz im Jahr 2030 von 2,8 Prozent des EU-weiten Konsums auf 1,9 Prozent. Der Vorschlag schöpft damit nicht das vollständige Einsparpotenzial in Höhe von 1,1 Prozent aus. Durch eine geschickte Verteilung des CO₂-Budgets könnten bis zu 152 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Kosten eingespart werden. Der vorliegende Kommissionvorschlag hingegen reduziert die Klimaschutzkosten nur um 81 Milliarden Euro – größtenteils durch die Einführung eines zweiten Emissionshandelssystems. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Berechnung des ZEW Mannheim auf Basis eines makroökonomischen Simulationsmodells.

Symbolbild einer Frau vor dem europäischen Gebäude.
Ergebnis einer aktuelle Berechnung des ZEW Mannheim auf Basis eines makroökonomischen Simulationsmodells kommen zum Ergebnis, dass 152 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Kosten eingespart werden können.

Mit ihrem „Fit-for-55-Paket“ schlägt die EU-Kommission eine Reform der europäischen CO₂-Märkte vor. Demnach soll das bestehende Emissionshandelssystem EU ETS, das den Energiesektor sowie energieintensiven Branchen umfasst, durch ein zweites Emissionshandelssystem ergänzt werden. „Die Einführung eines zweiten CO₂-Marktes ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn so werden Branchen wie Verkehr und Gebäude in den Emissionshandel integriert, die bisher nicht erfasst sind“, sagt Prof. Dr. Sebastian Rausch, Leiter der ZEW-Umweltökonomik und Inhaber eines Lehrstuhls an der Universität Heidelberg. „Außerdem senkt die EU die volkswirtschaftlichen Kosten für das Erreichen ihrer Klimaziele damit deutlich.“

Klimaschutzkosten lassen sich noch weiter senken

Die Klimaschutzkosten lassen sich noch weiter senken, wenn die EU ihr CO₂-Budget klug verteilt.

Im Jahr 2030 will die Europäische Union ihre Treibhausgasemissionen um 55 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990 reduziert haben. Dies kostet EU-weit im Vergleich zum Status quo rund 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Hierdurch fehlen 247 Mrd. Euro, die sonst für den privaten Konsum zur Verfügung stünden.


„Um die Klimaziele zu den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten zu erreichen, sollten Emissionen dort reduziert werden, wo es am wenigsten kostet“, sagt Umweltökonom Rausch. Durch eine optimale Aufteilung der Menge an CO₂, die die EU bei einem 55-Prozent-Ziel noch emittieren kann, ließen sich die Kosten absenken – von 2,8 Prozent des EU-weiten Konsums bzw. 247 Mrd. Euro auf 1,1 Prozent des Konsums bzw. 95 Mrd. Euro –, wie die ZEW-Wissenschaftler mithilfe ihrer Simulationsanalyse herausfanden.
 
„Durch das neue Emissionshandelssystem bei jetziger Aufteilung des CO2-Budgets gelingt es der EU-Kommission bereits 22 Prozent der Klimaschutzkosten zu reduzieren“, erklärt ZEW-Umweltökonom Dr. Jan Abrell und Co-Autor der Studie. „Verteilt die EU ihr CO₂-Budget klug, könnte sie die Kosten sogar um bis zu 61 Prozent senken.“
 
Da die Höhe der Reduktionskosten in den einzelnen Sektoren sehr variiert, beeinflusst die Entscheidung über die Aufteilung des Emissionsbudgets direkt und in hohem Maße, wie sich die wirtschaftlichen Lasten zwischen den einzelnen Sektoren und EU-Mitgliedstaaten verteilen. Den Sektoren Gebäude und Verkehr würde ein deutlich größeres Emissionsbudget zuteil, während ein Großteil der ambitionierten Klimaziele über Emissionsminderungen im Stromsektor und bei den energieintensiven Industrien realisiert werden müsste.

Bisherige Regulierung

CO₂-Emissionen werden Bisher innerhalb von zwei getrennten Systemen reguliert: dem EU-Emissionshandelssystem (EU ETS), das hauptsächlich die Emissionen aus der Elektrizitätswirtschaft und energieintensiven Industrien abdeckt, und der so genannten Lastenteilungsvereinbarung ("Effort Sharing Regulation"), die Ziele für die Bereiche Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Industrie definiert, die nicht in den Geltungsbereich des EU ETS fallen. Diese Sektoren ebenfalls in den EU ETS zu integrieren, war zwar diskutiert worden. Die EU-Kommission geht mit dem Vorschlag eines zusätzlichen Handelssystems zunächst einen anderen Schritt.

Zur Methode

Mithilfe eines mit Daten gespeisten Simulationsmodells können die ZEW-Umweltökonomen vorab evaluieren, welche volkswirtschaftlichen Kosten die vorgeschlagene EU-Klimapolitik nach sich zieht und wie der optimale Marktzuschnitt ist, um diese möglichst gering zu halten. Bei ihrer Berechnung abstrahierten die ZEW-Wissenschaftler von Wohlfahrtsgewinnen, die sich aus der Verhinderung des Klimawandels ergeben, wie beispielsweise das Vermeiden von Gesundheitsschäden und extremen Wettereignissen.

Datum

14.07.2021

Kategorie
Themen
    Energiewende und Klimawandel

Dateien zum Download

Kontakt

Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

sabine.elbert@zew.de