Deutsche Haushalte schauen zu optimistisch auf Energiekosten und zu pessimistisch auf Hilfen der Bundesregierung

Forschung

Forschende der Westfälischen-Wilhelms Universität Münster und dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim haben rund 400 Kunden eines Vergleichsportals befragt, welche Erwartungen sie an die Preisentwicklung von Strom und Gas haben und wie sie die Energiehilfen der Bundesregierung einschätzen.

Die Umfrage aus dem November 2022 zeigt: Die befragten Haushalte unterschätzen die gestiegenen Kosten und werden somit möglicherweise ihren Energieverbrauch nicht ausreichend einschränken. „Dieses Ergebnis ist insbesondere mit dem Einsparen von Gas als zentralen Baustein der Strategie der Bundesregierung sehr bedenklich. Auf der anderen Seite haben die Haushalte wenig Vertrauen in die Wirksamkeit der Maßnahmen der Bundesregierung. Vor allem Haushalte in finanziell schwieriger oder sehr schwieriger Situation haben Probleme, die Wirkung der Maßnahmen zu verstehen oder wissen nicht, wie diese wirken“, sagt Dr. Madeline Werthschulte, Klimaökonomin am ZEW.

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ZEW Policy Brief

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Haushalte in einem Szenario, in dem sie im Dezember einen neuen Stromvertrag abschließen müssen, im Durchschnitt einen Anstieg der Ausgaben in Höhe von etwa 47,5% relativ zu ihren aktuellen Ausgaben erwarten. Vor dem Hintergrund der Großhandelspreise im November 2022 scheint diese Erwartung sehr optimistisch.

Die Grafik  zeigt wie die Kunden des Portals die erwarteten Kostensteigerungen bei Strom und Gas einschätzen. Auffällig ist hier nicht nur wie unterschiedlich die Erwartungen sind, sondern auch dass etwa 34% der Befragten erwarten, dass die Stromausgaben sich nicht ändern oder sogar sinken werden. 85% aller Befragten glauben, dass die Ausgaben für Strom um maximal 100% steigen werden. Auch die Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung der Gaskosten fallen relativ optimistisch aus: Die befragten Haushalte gehen im Durchschnitt von einer Erhöhung der Ausgaben um etwa 100% aus. Fast ein Viertel der Haushalte geht davon aus, dass die Ausgaben für Gas unverändert bleiben oder sogar noch sinken.

Im Durchschnitt erwarten die befragten Haushalte, dass 16% des Anstiegs der Stromkosten und 19% der Gaskosten durch politische Maßnahmen kompensiert werden. Bemerkenswert ist hier, dass 75% der Haushalte eine Kompensation von maximal 21% der Stromkosten erwarten. Für die Gaskosten ist diese maximale Kompensationserwartung des gleichen Anteils der Haushalte mit 25% etwas höher. Diese eher pessimistischen Erwartungen zeigen sich auch in der Bewertung der Politikmaßnahmen. So lehnen 50% der Befragten die Aussage ab, dass die Maßnahmen der Bundesregierung ausreichend sind, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.

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