In einer aktuellen Studie hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim die Kosten eines vorzeitigen Kernenergieausstiegs in Deutschland untersucht. Es zeigt sich, daß die Höhe der Kosten vor allem davon abhängt, auf welchem Weg ein von der Politik festgelegter Ausstiegszeitpunkt erreicht werden soll. So käme die Festlegung eines Ausstiegsjahres erheblich billiger als eine äquivalente Begrenzung der maximalen Nutzungsdauer für die 19 derzeit am Netz befindlichen deutschen Atommeiler. Ausgehend von der Annahme, daß beispielsweise spätestens im Jahre 2019 alle Kernkraftwerke stillgelegt sein sollten, entstünden bei einer Erreichung dieses Ausstiegsziels über eine Festlegung der Nutzungsdauer Kosten in Höhe von 26 Milliarden Mark. Bei einer einfachen Festschreibung von 2019 als Ausstiegsjahr hingegen lägen die Kosten bei lediglich sechs Milliarden Mark (jeweils bezogen auf Preise des Jahres 2000), da bei dieser Variante ältere Atommeiler bis ans Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer am Netz bleiben könnten.

Erwartungsgemäß sinken die Kosten eines Kernenergieausstiegs erheblich, wenn das Ausstiegsjahr zeitlich nach hinten verschoben wird. So entstünden bei einem Ausstiegsjahr 2010 Kosten von 25 Milliarden Mark. Im Jahr 2020 wären es nur vier Milliarden Mark, da zu diesem Zeitpunkt viele Meiler ohnehin schon aufgrund ihres Alters abgeschaltet sein würden. Die wegfallende Kernenergie würde durch Strom aus nichtnuklearen, vor allem fossilen Kraftwerken ersetzt, und auch die Strompreise würden steigen. Denn mit einer sinkenden Stromnachfrage, die die wegfallende Kernenergie zum Teil auffangen könnte, ist nicht zu rechnen. Fachleute erwarten eher einen weiteren Anstieg des Stromverbrauchs. Nur drastische Preiserhöhungen könnten dem entgegenwirken, sind aber im Zeichen liberalisierter Strommärkte mit erhöhtem internationalem Preisdruck derzeit nicht zu erwarten. Somit müssen nichtnukleare Energieformen und Importstrom einspringen. Das Abschalten der Kernkraftwerke alleine reicht aber nicht aus. Angesichts globaler Umwelt- und Ressourcenprobleme muß der Atomausstieg vielmehr auf Dauer auch ökonomisch und ökologisch tragfähig sein. Dazu müssen die Kosten nichtnuklearer, vor allem erneuerbarer Energien und die Erfordernisse des Klimaschutzes berücksichtigt werden. Für die Glaubwürdigkeit des Ausstiegskonzepts ist außerdem wichtig, daß in Deutschland nicht mehr produzierter Atomstrom nicht durch nuklearen Importstrom ersetzt wird.

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12.08.1999

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