Neben dem Wettbewerb der europäischen Steuersysteme wird zunehmend auch der "Wettbewerb der Sozialversicherungssysteme" diskutiert. Das Thema betrifft zum einen die Finanzierbarkeit, andererseits aber auch die Frage der Effektivität der Systeme im Hinblick auf sozial- und verteilungspolitische Zielsetzungen. Ziel des Projektes ist die vergleichende Analyse der europäischen Systeme sozialer Sicherung im Hinblick auf ihre sozialpolitische Effektivität unter Beachtung der Finanzierungsrestriktion. Im Hintergrund steht hierbei die Frage, ob eine vereinheitlichte europäische Sozialpolitik aus theoretischer und empirischer Sicht wünschenswert und realisierbar ist.

In der ersten Projektphase wird eine Systematik europäischer Sozialversicherungssysteme erstellt. Hierzu werden zunächstverschiedene Strategien der sozialen Sicherung identifiziert, auf ihre Entstehungstradition zurückgeführt und auf der Grundlage ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Theorien zur Sozialversicherung analysiert. Sodann werden die europäischen Sozialversicherungssysteme anhand ihrer institutionellen Eigenschaften sowie auf der Basis von Makrodaten nach den eingesetzten Sicherungsstrategien charakterisiert. Hierbei wird ein Indikatorensystem zur Klassifizierung der Systeme entwickelt, das in weiteren empirischen Studien eingesetzt werden kann.

In weiteren Untersuchungsschritten ist geplant, auf der Grundlage von Querschnittsdaten die Implikationen verschiedener Strategien der sozialen Sicherung für die Einkommensverteilung näher zu untersuchen. Zu diesem Zweck sollen für verschiedene europäische Länder unterschiedliche Verteilungs- und Armutsmaße errechnet und die Effektivität ihrer Sozialversicherungssysteme in der Verminderung von Ungleichheit und Armut analysiert werden. Hierbei soll insbesondere untersucht werden, inwieweit der Dezentralisierungsgrad der sozialpolitischen Kompetenzen in den verschiedenen Ländern als erklärende Variable für die Einkommensverteilung eine Rolle spielt.