Die Digitalisierung von Arbeit und Produktion hat einen tiefgreifenden Strukturwandel zur Folge. Für eine erfolgreiche digitale Transformation der Wirtschaft kommt hierbei der Ausbildung von Fachkräften im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) eine außerordentliche Rolle zu. MINT-Fachkräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft eines Landes, da sie insbesondere zum technologischen Fortschritt beitragen. So verfügen in Deutschland 83 Prozent der 1,3 Millionen Erwerbstätigen in Forschungsabteilungen über eine MINT-Qualifikation. MINT-Berufe stehen häufig im Zentrum der politischen Diskussionen zum Fachkräftemangel, denn die Digitalisierung erhöht durch immer komplexere und technisch anspruchsvollere Wertschöpfungsketten den Bedarf an MINT-Qualifikationen. Die aktuelle MINT-Fachkräftelücke beträgt etwa 315.000 Stellen, wobei etwa ein Drittel dieser Arbeitskräftelücke auf akademische MINT-Berufe entfällt.


In den vergangenen Jahren sind deshalb in vielen Ländern staatlich geförderte Initiativen zur Sicherung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses entstanden. Die Erfolgschancen solcher Initiativen hängen von vielen Faktoren ab, z.B. ob die richtigen Gruppen adressiert werden. Zugleich ist allerdings unklar, inwieweit solche Personen, die sich aufgrund gezielter Fördermaßnahmen für ein MINT-Studium entscheiden, die gleichen Arbeitsmarkterfolge erzielen, wie solche MINT-Absolventen, die sich aufgrund ihres komparativen Vorteils von selbst in MINT-Fächer selektieren. Die Wahrscheinlichkeit mit der eine MINT-Ausbildung in einen adäquaten MINT-Beruf mündet ist von hoher wirtschaftspolitischer Relevanz. Denn bei einem „Mismatch“ der Fähigkeiten von Absolventen und den Anforderungen ihres Berufs, können die vorhandenen MINT-Fähigkeiten nicht in vollem Umfang zu Innovationskraft und Wachstum beitragen.


Vor diesem Hintergrund soll sich das vorliegende Projekt der Frage widmen, welche Determinanten die Wahl einer beruflichen Ausbildung oder eines Studiums im MINT-Bereich beeinflussen. Darüber hinaus sollen die Faktoren untersucht werden, welche bei gegebener Fächerwahl das Ergreifen eines MINT-Berufs bedingen. Die Forschungsfragen sollen durch mikroökonometrische Analysen untersucht werden. Da Bildungsentscheidungen dynamisch verlaufen und von vielen Einflussfaktoren abhängen, z.B. von individuellen Fähigkeiten und Präferenzen, eignen sich umfangreiche Längsschnittstudien für diese Analysen.