Im Zuge der Debatte um die Hochschulreform ist immer wieder auch auf die Notwendigkeit einer Verbesserung der Effizienz der bundesdeutschen Hochschulausbildung hingewiesen worden. Vor diesem Hintergrund war das Ziel des Projektes "Effizienz der Ausbildung an bundesdeutschen Hochschulen", ein ökonomisches Konzept zur Evaluation der Kosten und Effizienzverbesserungspotentiale der deutschen Hochschulausbildung zu entwickeln. Als Untersuchungsgegenstand wurde exemplarisch der Fachbereich "Wirtschaftswissenschaften" herausgegriffen. Die Projektarbeit gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil konzentrierte sich auf eine Analyse der Qualitätsdimension an den wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen. Im zweiten Schritt wurde ausgehend von einer Ermittlung der lehre-bezogenen Gesamtkosten eine Analyse der Kostensituation vorgenommen.

Für die Analyse der Qualitätsdimension sind neben gängigen qualitativen Indikatoren wie Studiendauer, Abbrecherquote und Betreuungsrelation insbesondere die sogenannten Hochschulranglisten von Interesse. Im Rahmen der gegenwärtigen Untersuchung wurden die drei meistbeachteten Ranglisten der Zeitschriften "Der SPIEGEL", "FOCUS" und "STERN" bzw. "STIFTUNG WARENTEST" herangezogen. Bei allen methodischen Unterschieden und Problemen der gegenwärtig verfügbaren Ranglisten zeigte sich, dass gewisse Muster in der Bewertung aufzufinden sind. So kommen die Studierendenbefragungen untereinander zu ähnlichen Bewertungen der Fachbereiche und ebenso gibt es eine Entsprechung der Bewer-tungen von Professoren und Personalchefs. Zugleich aber unterscheiden sich die Bewertungen beider Gruppen deutlich voneinander. Im Hinblick auf den Einfluss struktureller Merkmale der Hochschulen werden den Ranglisten zufolge von Studierenden eher kleinere, von Professoren eher größere Fachbereiche präferiert. Für die tatsächliche Studienortwahl sind im gegenwärtigen System vor allem die Nähe zum Heimatort und die Lebenshaltungskosten determinierend. Bezüglich der Ranglisten zeigte sich, dass in allen Fällen eine bessere Bewertung mit höheren Studierendenzahlen einhergeht. Allerdings ist die Bewertung nur für die Bewertung der Professoren im Rahmen der im FOCUS publizierten Professorenurteile signifikant. Die insignifikanten Ergebnisse für die auf Studierendenurteilen basierenden Rankings deuten darauf hin, dass diese Ranglisten entweder von Studierenden als Entschei-dungshilfe kaum genutzt werden oder aber methodische Probleme bei der Ranglistenerstellung dazu führen, dass trotz der Fülle der für die Ranglisten erhobenen und verarbeiteten Informationen kein tragfähiges Bild der insgesamt resultierenden Qualität entsteht.

Zur Analyse der Kostensituation wurde für die wirtschaftswissenschaftlichen Fachberei-che eine Kostenfunktion zunächst ohne und anschließend mit Berücksichtigung eines Indikators für die Ausbildungsqualität ökonometrisch geschätzt. Als abhängige Variable wurden die lehre-bezogenen Gesamtausgaben der Lehr- und Forschungsbereiche verwendet, die sich aus den direkten lehre-bezogenen Ausgaben der Lehr- und Forschungsbereich und einer anteiligen Umlage der Kosten zentraler Einrichtungen auf die Lehr- und Forschungsbereiche zusammensetzen. Als primäre erklärende Variablen wurden die Studierendenzahl, die Studierendenzahl im Quadrat und das FOCUS-Professorenurteil als Qualitätsindikator verwendet. Die Resultate weisen darauf hin, dass die Kostenfunktion der wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereiche durch einen hohen Fixkostenanteil positive, zunehmende Grenzkosten gekennzeichnet ist. Die aus ökonomischer Sicht optimale Fachbereichsgröße wurde mit ca. 3.000 Studierenden ermittelt. Fachbereiche mit einer geringeren Studierendenzahl könnten somit durch eine Ausweitung Größenvorteile erzielen. Die Ergebnisse zeigen ferner, dass eine höhere Ausbildungsqualität, gemessen anhand des FOCUS Professorenrankings, tendenziell mit höheren Kosten verbunden ist.

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