Die grüne öffentliche Beschaffung hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Politik Deutschlands und Europas. Mit ihrer Hilfe wollen öffentliche Stellen Umweltinnovationen auslösen, indem sie in ihren Ausschreibungen umweltorientierte Auswahlkriterien für die Vergabe formulieren. Dass dies nicht alle Unternehmen gleichermaßen zu Umweltinnovationen anregt, zeigt eine empirische Analyse des ZEW.

Ein Glas gefüllt mit Geldmünzen und einer daraus entsprießenden Pflanze.
Die empirische Studie von Bastian Krieger und Dr. Vera Zipperer zeigt, dass die grüne öffentliche Beschaffung in den Jahren 2008 und 2014 auf Umweltinnovationen von Unternehmen unterschiedliche Auswirkungen hat. Entscheidend ist hier unter anderem die Größe des Unternehmens.

Das öffentliche Beschaffungswesen hat aufgrund seiner großen Nachfragen einen signifikanten Einfluss auf das Angebot von Unternehmen. In 2017 lag der Anteil der öffentlichen Beschaffung am Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union beispielsweise bei 16 Prozent. In den vergangenen Jahren wurden zunehmend öffentliche Aufträge gezielt umweltorientiert vergeben. Diese gezielte öffentliche Vergabe soll bei den Unternehmen Innovationen anregen.

In einer Studie analysierten Bastian Krieger und Dr. Vera Zipperer, welche Auswirkungen eine grüne öffentliche Beschaffung in den Jahren 2008 und 2014 auf Umweltinnovationen von Unternehmen hatte. Als Umweltinnovation auf Unternehmensebene wird dabei die Einführung neuer oder deutlich verbesserter Produkte oder Prozesse betrachtet, die aus Umweltsicht vorteilhaft sind verglichen mit dem gewohnten Wirtschaften des Unternehmens.

Kein Einfluss auf die Einführung neuer, umweltfreundlicher Prozesse

Datenbasis ist der deutsche Beitrag zum Community Innovation Survey der EU. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Umfrage von Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten in Deutschland, die Daten zu ihren Innovationsaktivitäten liefert. Außerdem nutzt das Forschungsteam die Datenbank Tenders Electronic Daily der EU sowie Patentdaten des deutschen Patent- und Markenamts. Wie die Studie zeigt, geht für die gesamte Stichprobe der Zuschlag bei grünen öffentlichen Ausschreibungen in den Unternehmen mit einer um 20 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit einher, neue, umweltfreundlichere Produkte einzuführen. Auf die Einführung neuer, umweltfreundlicher Prozesse, etwa in der Produktion, hat die öffentliche Auftragsvergabe hingegen keinen statistisch signifikanten Einfluss. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass die Ausschreibungskriterien größeres Augenmerk auf Produkt- als auf Prozesscharakteristiken legen.

Ergebnisse variieren je nach Größe des Unternehmens

Eine Unterteilung nach Größenklassen zeigt des Weiteren auf, dass sich die Ergebnisse je nach Größe des Unternehmens unterscheiden. Die Wahrscheinlichkeit großer Unternehmen - Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten - umweltfreundlicherer Produkte oder Prozesse einzuführen ändert sich nicht nachdem sie den Zuschlag für grüne Ausschreibungen erhalten haben. Für kleine und mittlere Unternehmen hingegen – Unternehmen mit weniger als 249 Beschäftigten – sieht dies jedoch anders aus. Den Zuschlag zu grünen Aufträgen der öffentlichen Hand zu erhalten steigert bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, umweltfreundlichere Produkte einzuführen um 25 Prozentpunkte. Die Einführung umweltfreundlicherer Prozesse wird jedoch auch bei kleinen und mittleren Unternehmen nicht beeinflusst.
Die Studie bestätigt demnach, dass ein umweltorientiertes öffentliches Beschaffungswesen als nachfrageseitige Innovationspolitik insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen wirksam ist. Sie legt außerdem nahe, dass es sich lohnt, die Bedürfnisse von kleinen und mittleren Unternehmen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen zu berücksichtigen. Dahingehend Bedarf es in Zukunft noch weiterer Forschung, die die Herkunft der Unterschiede zwischen großen Unternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen untersucht.

Datum

21.01.2022

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