„Klima muss sich lohnen“

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#ZEWBookTalk mit Achim Wambach

Welchen Beitrag müssen Gemeinden, Bund und EU zur Erreichung der Klimaziele leisten? Welche Instrumente wirken, welche sind kontraproduktiv? Und was kann jeder Einzelne von uns tun, um durch sein Verhalten eine klimapolitische Wirkung zu erzielen? Antworten auf diese Fragen liefert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD in seinem neuen Buch „Klima muss sich lohnen“. Beim #ZEW-BookTalk am 4. Juli 2022 stellte der Ökonom vorab die Thesen seines Buches vor. Während der Buchvorstellung gab Wambach den rund 55 Teilnehmer/innen einen Überblick über das Mehrebenengeflecht der Klimapolitik und warb für mehr ökonomische Rationalität in der Instrumentenwahl, denn entscheidend für die Effektivität von klimapolitischen Einzelmaßnahmen sind die Märkte und Mechanismen im Hintergrund – und diese sind weniger offensichtlich als häufig angenommen.

„Es gibt keinen anderen Bereich der Politik, in der das, was Ökonominnen und Ökonomen sagen, so verschieden ist zu dem, was in der Öffentlichkeit diskutiert wird“, beschrieb Wambach einleitend die klimapolitische Debatte. Dies sei für ihn der Anlass gewesen, ein Buch zu schreiben und für eine volkswirtschaftliche Perspektive zu werben, welche Maßnahmen nach der klimapolitischen Wirkung beurteilt und die ökonomischen Wirkungszusammenhänge der verschiedenen Instrumente berücksichtigt.

Seine Sichtweise illustrierte Wambach an mehreren aktuell diskutierten Maßnahmen, wie beispielsweise am Vorschlag, auf alle Gebäude einer Stadt ein Solardach zu bauen. „Eine Solaranlage auf dem Dach hat keine eigene Klimaschutzwirkung in Europa“, betonte Wambach. Seine Erklärung: Stromerzeugung ist Teil des europäischen Emissionshandels. Wenn die Stadt durch die neuen Solaranlagen weniger konventionellen Strom verbraucht, benötigt der Stromerzeuger wenigerEmissionszertifikate, , die dann von einem anderen europäischen Stromerzeuger oder Industrieunternehmen gekauft würden, denn die Gesamtmenge an Zertifikaten ist gedeckeltDennoch könne sich eine Solaranlage nach Ansicht Wambachs finanziell lohnen, wenn andere Energien teurer sind. Die Entscheidung solle dann aber aus wirtschaftlichen Erwägungen getroffen werden und nicht aus klimapolitischen Gründen.

Der gleiche Wirkungsmechanismus ließe sich auch am Beispiel des Kohleausstiegs in Deutschland beobachten: „Klimapolitisch ist es gar nicht so schlimm, dass wir die Kohlekraft jetzt etwas verlängern, da der Strom aus Kohle Teil des Zertifikatehandels ist“, konstatierte Wambach. „Wenn wir mehr Zertifikate brauchen, verbrauchen andere aufgrund der Deckelung weniger.“

Als zentrales Leitinstrument plädierte Wambach für die Erweiterung des EU-Emissionshandels. „Es wäre ein Rückschritt in der klimapolitischen Diskussion, wenn wir einen zweiten EU-Emissionshandel für die Sektoren Gebäude und Verkehr nicht einführen würden.“ Derzeit müssen sich das europäische Parlament und der Rat noch auf eine endgültige Fassung der geplanten Reform einigen. Gleichzeitig stellte Wambach heraus, dass Europa für weniger als 10 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sei und Klimapolitik als „Weltproblem“ betrachtet werden müsse. Als zentrale Hebel sieht der Ökonom in diesem Zusammenhang die Schaffung eines Klimaclubs und die Verwendung von „kopierfähigen“ klimapolitischen Maßnahmen, wofür es auch auf Bundesebene mehr Investitionen in Innovationen benötige.

Das Buch „Klima muss sich lohnen – Ökonomische Vernunft für ein gutes Gewissen“ erscheint am 15. August 2022 im Verlag Herder.