Der Leibniz-WissenschaftsCampus „MannheimTaxation“ untersucht, wie ein zukunftsfähiges Steuersystem ausgestaltet werden muss, um neue wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Herausforderungen meistern zu können. Die gemeinsame Initiative des ZEW und der Universität Mannheim organisierte im September 2019 die bereits sechste MannheimTaxation-Jahrestagung in Mannheim, bei der knapp 80 Teilnehmer/innen aus aller Welt aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der Steuerforschung diskutierten.

Jake Thornock referierte am ZEW zu Steuervermeidung von Unternehmen
Jake Thornock von der Brigham Young University in Provo/Utah

Die etablierte Steuerforschung am Wissenschaftscampus konnte als Hauptredner die amerikanischen Professoren Alan Auerbach von der University of California in Berkeley und Jake Thornock von der Brigham Young University in Provo/Utah, gewinnen. Und auch die Menge von 36 hochkarätigen Vorträgen in zwölf Sessions verdeutlicht, welch internationales Ansehen das MannheimTaxation-Team sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat.

Neue Perspektiven bei der Messung von Ungleichheit

Alan Auerbach referierte zur Ungleichheit von Einkommen und Vermögen
Alan Auerbach, Professor für Steuerpolitik und öffentliche Finanzen an der University of California in Berkeley, USA

Alan Auerbach, Professor für Steuerpolitik und öffentliche Finanzen an der University of California in Berkeley, USA, stellte ein aktuelles Forschungspapier zur Messung der Ungleichheit von Einkommen und Vermögen sowie der Umverteilungswirkung von Einkommenssteuern und Sozialtransfers vor. Derzeit werden Ungleichheit und Umverteilungswirkung meist im Querschnitt eines Jahres gemessen. Da beide Größen jedoch stark altersabhängig sind, sollten diese Querschnittsergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden: So weisen Studierende zwar vorübergehend niedrige Einkommen auf, gehören aber über den Lebensverlauf in der Regel zu den Besserverdienenden. Ebenso wird in einem umlagefinanzierten Rentensystem das Einkommen von den derzeit Erwerbstätigen an die Rentnerinnen und Rentner transferiert; dabei handelt es sich jedoch vor allem um eine Umverteilung zwischen Alters- und nicht so sehr zwischen Einkommensgruppen,  da aus den jetzigen Zahlern ja die späteren Rentenempfänger werden. Gemeinsam mit zwei Ko-Autoren untersuchte Prof. Auerbach auf Basis US-amerikanischer Daten diese Alterseffekte sowie die Ungleichheit im Konsum und die Umverteilungswirkung des Steuer- und Transfersystems über den (verbleibenden) Lebenszyklus für verschiedene Geburtskohorten. Die Ungleichheit fällt hier deutlich geringer aus. So entfallen auf das oberste ein Prozent der heute Vierzigjährigen zwar 34 Prozent des Finanzvermögens, aber nur 15 Prozent des verbleibenden Konsums ihrer Geburtskohorte. Auch die Umverteilungswirkung des Steuer- und Transfersystems fällt bei einer Lebensverlaufsbetrachtung deutlich stärker aus.

Steuervermeidung von Unternehmen: Ein Forschungsüberblick

Einen umfassenden Überblick über die neusten Erkenntnisse zur Steuervermeidung von Unternehmen gab in der zweiten Keynote Jake Thornock, EY Distinguished Professor of Accounting an der Brigham Young University, USA. Er arbeitete zahlreiche zukünftige Forschungsrichtungen heraus und veranschaulichte insbesondere die stetige Verschlechterung der Erklärungskraft herkömmlicher Determinanten. In seinen Ausführungen diskutierte er eine Vielzahl von Gründen für diese Verschlechterung; so unterstrich er die Wichtigkeit von firmenspezifischen, unbeobachtbaren Komponenten in der Erklärung von unternehmerischer Steuervermeidung. Ein wichtiges Leitthema seiner Keynote war die Tatsache, dass der meistbenutzte Indikator für unternehmerische Steuervermeidung – der Effektivsteuersatz – auch durch weitere Faktoren beeinflusst wird, die von Steuervermeidung unabhängig sind. Dazu gehören buchhalterische Regelungen, welche zu kurzzeitigen Änderungen in der Steuerlast von Unternehmen führen können, sowie die zunehmende Marktkonzentration in einigen Industrien oder Anomalitäten in der Verteilung der Effektivsteuersätze. Im Fazit appellierte er dazu, in der Analyse dieser komplexen Zusammenhänge nicht ausschließlich auf scheinbare Korrelationen einzugehen, sondern immer auch die zugrundeliegenden ökonomischen Wirkungsmechanismen zu berücksichtigen.

MannheimTaxation fördert internationalen wissenschaftlichen Austausch

Wie in den Vorjahren bot die sechste MannheimTaxation-Jahreskonferenz einen intensiven wissenschaftlichen Austausch auf hohem Niveau. ZEW Research Associate und MannheimTaxation-Direktor Professor Christoph Spengel freute sich bei der Begrüßung der Konferenzteilnehmer/innen über den anhaltenden Erfolg von MannheimTaxation und der Mannheimer Steuerforschung. So verdeutlicht die vor kurzem erfolgreich eingeworbene weitere Förderperiode von MannheimTaxation ebenfalls den ausgezeichneten Ruf des Wissenschaftscampus. In diesem Zusammenhang sind für das kommende Jahr zahlreiche MannheimTaxation-Veranstaltungen geplant. MannheimTaxation wird finanziert vom ZEW, der Universität Mannheim, dem Land Baden-Württemberg sowie der Leibniz-Gemeinschaft. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit dem Institut für Finanz- und Steuerrecht der Universität Heidelberg.

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