Seit sieben Jahren sind chinesische Manager/innen regelmäßig für einen Monat zu Gast am ZEW, um am Fortbildungsprogramm „Fit for Partnership in Germany“ teilzunehmen. Verantwortlich für das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Programm ist Barbara Hey, stellvertretende Leiterin des ZEW-Servicebereichs „Wissenstransfer und Weiterbildung“, gemeinsam mit ihrem Kollegen Manuel Lauer.

Interview mit Barbara Hey über chinesische Führungskräfte zu Gast am ZEW
Barbara Hey, stellvetretende Leiterin des ZEW-Servicebereichs "Wissenstransfer und Weiterbildung".

Im Interview spricht sie darüber, wie Führungskräfte aus China auf Deutschland zugehen und was sie sich von ihren Geschäftspartnern erwarten. Das Programm „Fit for Partnership in Germany“ besteht aus Seminaren am ZEW und aus Unternehmensbesuchen.

Was nehmen die Teilnehmer/innen aus den Seminaren mit?

Wir erleben chinesische Manager als sehr wissbegierig und vielseitig interessiert. Ganz oben auf der Liste unserer Teilnehmenden stehen sicherlich die deutsche Art des Wirtschaftens und die deutsche Kultur. Die Kombination aus Seminaren zu betriebswirtschaftlichen und Soft-Skill-Themen sowie Unternehmensbesuchen bietet jeder Gruppe ein umfangreiches Gesamtpaket an Information, Wissen und Instrumenten. Zusätzlich helfen wir auch bei spezifischen Fragen und Herausforderungen. Konkret bedeutet das, dass wir jeden und jede individuell betreuen. Wir beantworten Fragen, wie mit deutschen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Geschäfte gemacht werden können, wo potenzielle Partner zu finden sind und wie mit ihnen Kontakt aufgenommen werden sollte. Zu Anfang waren wir überrascht, dass auch vermeintlich einfache Aktivitäten, wie etwa das sichere Bewegen und professionelle Kommunizieren auf Messen oder der Aufbau und die Pflege von Netzwerken mit deutschen Partnern stark nachgefragt wurden. Außerfachlich gilt es, den Teilnehmenden Sicherheit im gesamten Umgang mit einem fremden Land zu geben.

Durch das Fortbildungsprogramm treffen chinesische Manager/innen auch mit Führungskräften von Unternehmen aus der Region zusammen.

Warum interessieren sich die Gäste für deutsche Unternehmen?

Deutschland und deutsche Unternehmen genießen in China einen herausragenden Ruf. Chinesische Manager wollen von deutschen Experten/-innen und Unternehmen lernen und erfahren, was die deutsche Wirtschaft an die Spitze Europas und unter die stärksten Volkswirtschaften der Welt geführt hat. Deutschland gilt als attraktiver Absatzmarkt für chinesische Produkte – und umgekehrt. Unsere Teilnehmenden sehen deutsche Unternehmen als wertvolle Kooperationspartner, die für sie auch eine Art Türöffner für die EU bedeuten können. Wir verbinden deshalb  theoretische Inhalte mit Besuchen bei Unternehmen. Hier werden die Themen der Seminare wieder aufgegriffen. Die Teilnehmenden erleben aus erster Hand, wie beispielsweise ein deutsches KMU seine duale Ausbildung organisiert, sein Qualitätsmanagement betreibt oder wie die Auswahl der Absatzkanäle im Unternehmen entschieden wird. Die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und Anregungen für die eigene Unternehmenspraxis mitzunehmen, schätzen unsere Gruppen sehr.

Was können deutsche Manager/innen von ihren chinesischen Kollegen/-innen lernen – und umgekehrt?

Die chinesischen Unternehmer sind so selbstbewusst, dass sie als ebenbürtiger Partner behandelt werden möchten und erwarten, dass auch ihre Partner hier einen Schritt in Richtung chinesischer Unternehmenskultur tun. Das bedeutet zum Beispiel mehr Flexibilität in der Planung, geringere Risikoabsicherung oder höhere Risikobereitschaft in der Kooperation. Chinesische Unternehmer sind häufig von deutscher Termintreue, Mitarbeiterführung und -ausbildung überrascht. Ihnen fällt es schwer, flache Hierarchien oder Brüche in der Hierarchie zu akzeptieren und sie erwarten im Treffen notwendigerweise den Geschäftsführer, selbst wenn aus deutscher Sicht der Spezialist der richtige Ansprechpartner wäre. Hier könnten sie vom deutschen Fokus auf Expertise und effiziente Organisation lernen.

Wie erfolgreich ist das Fortbildungsprogramm bisher?

Das Managerfortbildungsprogramm des BMWi ist eine Erfolgsstory. Es existiert seit 20 Jahren, in denen mehr als 30 Gruppen aus China daran teilgenommen haben. Aus eigener Erfahrung werden in jeder Gruppe zahlreiche Anbahnungsgespräche geführt. Sogar in den vier Wochen des Programms werden bereits Verträge abgeschlossen. Viele deutsche KMU nutzen durch das Programm die Chance der Internationalisierung, was für sie alleine schwieriger bis unmöglich wäre. Das Programm ist
insgesamt langfristig für beide Seiten sehr erfolgreich.

Datum

28.10.2019

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