„Bundeswehr braucht mehr Zentralisierung und mehr Freiheiten bei der Beschaffung“

Kommentar

ZEW-Ökonom Leonardo Maria Giuffrida: Bundeswehr-Beschaffung effizienter organisieren

Die Koalition hat sich darauf verständigt, dass die Bundeswehr zur Erfüllung ihrer NATO- und gesetzlichen Aufgaben zügig modernisiert werden muss. Deshalb hat der Deutsche Bundestag zusätzliche Mittel in Höhe von 100 Mrd. Euro allein für die Beschaffung von Rüstungsgütern bereitgestellt. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat dabei zwei Engpässe ausgemacht: EU-weite Ausschreibungspflichten sind zeitaufwändig und interne Beschaffungsprozesse zu bürokratisch. ZEW-Beschaffungsexperte Leonardo Maria Giuffrida, PhD, Leiter der ZEW-Nachwuchsforschungsgruppe Öffentliche Beschaffung rät: 

„Da nationale Sicherheitsinteressen nicht immer Vorrang vor EU-weiten Beschaffungsvorgaben haben können, sollte sich die Bundeswehr auf zwei Dinge konzentrieren: Erstens sollte die Beschaffung bei der kompetentesten und erfahrensten Vergabestelle der Streitkräfte zentralisiert werden. Das ermöglicht den Zugang zu einer möglichst großen Zahl von Lieferanten, erhöht die Nachfragemacht und maximiert den Nutzen aus der Kompetenz. Und zweitens sollten die Vergabebeamten mehr Freiheitsgrade erhalten, um in Auswahlverfahren auf frühere Leistungskennzahlen zurückzugreifen bzw. im Fall von Einzelanbietern, wenn der Einkäufer bereits erfahrene Lieferanten mit einem guten Ruf für bestimmte Produkte kennt.“