Wissenschaftspreis „Zukunft der Arbeitswelt“ vergeben
AuszeichnungenVolksbank Kurpfalz Stiftung und ZEW Mannheim würdigen Nachwuchswissenschaftler
Die Volksbank Kurpfalz Stiftung und das ZEW Mannheim verliehen gestern zum dreizehnten Mal den Wissenschaftspreis „Zukunft der Arbeitswelt“. Prämiert wurden in diesem Jahr erstmalig zwei herausragende Dissertationen und eine Masterarbeit der Wirtschaftswissenschaften aus der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Jury hatte sich aufgrund der zahlreichen exzellenten Einreichungen dafür entschieden, zwei Preise für die beste Dissertation zu vergeben, und zwar an Deborah Mateja und Oliver Schlenker. Für die beste Masterarbeit wurde Simon Hohnwald ausgezeichnet. Claudia von Schuttenbach, kaufmännische Geschäftsführerin des ZEW, verwies in ihrer Laudatio auf die außergewöhnliche Lösungsorientierung und gesellschaftliche Nähe der ausgezeichneten Arbeiten, die auch eine große Wirkung auf politische Debatten entfalten können.
„Wir freuen uns, dass es uns durch die Zusammenarbeit mit dem ZEW möglich ist, neben unserem starken Engagement im gemeinnützigen Bereich mit dem Wissenschaftspreis gezielt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern, die mit ihren Arbeiten wichtige Beiträge für die Entwicklung unserer Arbeitswelt liefern. Unser Dank gilt allen, die im Hintergrund an diesem Preis mitwirken, im Besonderen der Jury, die Jahr für Jahr mit hoher Expertise und großem Engagement die Auswahl vornimmt.“, erklärt Carsten Müller, Vorstand der Volksbank Kurpfalz Stiftung.
Claudia von Schuttenbach unterstreicht: „Die Gewinnerarbeiten zeichnen sich für uns vor allem durch ihre hohe Innovationskraft aus. Und was sie noch so besonders macht: Keine trockene Theorie. Hier wurde relevante Forschung direkt in die Praxis umgesetzt. Dies passt hervorragend zur Ausschreibung dieses Wissenschaftspreises.“
Auswirkungen von KI auf Kreativität
Deborah Matejas Dissertation „Creativity and Artificial Intelligence: Conceptual Foundations, Design, and Use“ (Kreativität und Künstliche Intelligenz: Konzeptionelle Grundlagen, Gestaltung und Anwendung) untersucht in drei interdisziplinären Studien, wie künstliche Intelligenz kreative Prozesse unterstützt, erweitert und verändert. Die Arbeit zeigt, dass KI eigenständige kreative Fähigkeiten – insbesondere bei der Generierung neuer Ideen – entwickeln kann, zugleich aber auf menschliche Zielsetzung, Bewertung und Kontext angewiesen bleibt. Anwendungsnah belegt die Dissertation, wie KI kreative Tätigkeiten etwa in Design und Innovation demokratisieren kann, und liefert zugleich evidenzbasierte Leitlinien für die Gestaltung von Mensch-KI-Zusammenarbeit. Die Arbeit wurde an der Universität Mannheim abgeschlossen und mit 2.000 Euro gewürdigt.
Technologischer Wandel entscheidet
Die von Oliver Schlenker an der Universität Konstanz verfasste Dissertation „Three Essays on Contemporaneous Challenges in the Labor Market“ (Drei Essays zu aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt) analysiert in drei empirisch fundierten Studien die sozialen und gesundheitlichen Folgen von Digitalisierung, Automatisierung und Arbeitsmarktregulierung. Sie zeigt, dass Pflegekräftemangel messbar zu höherer Sterblichkeit führt, dass Betriebsräte den technologischen Wandel sozial abfedern und zugleich die Produktivität stärken, und dass digitale Arbeit den psychischen Druck – insbesondere für Geringqualifizierte – erhöht. Damit macht die Arbeit deutlich, dass technischer Fortschritt nicht nur ökonomische, sondern auch gesundheitliche und gesellschaftliche Wirkungen entfaltet und eine aktive, mitbestimmte Gestaltung des Wandels erfordert. Während seiner Promotion arbeitete Schlenker am ZEW im Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen, auch seine Auszeichnung ist mit 2.000 Euro dotiert.
Die Zukunft des europäischen Markts für Altfahrzeuge
Ebenfalls 2.000 Euro für die beste Masterarbeit erhält Simon Hohnwald. In seiner Abschlussarbeit im Fachbereich BWL an der Universität Mannheim mit dem Titel „The European End-of-Life Vehicle Market: Status Quo, Outlook, Consumer Perspectives, and Implications for Sourcing Strategies“ (Der europäische Markt für Altfahrzeuge: Status quo, Ausblick, Verbraucherperspektiven und Auswirkungen auf Beschaffungsstrategien) analysiert er den europäischen Altfahrzeugmarkt und beschäftigt sich mit Wegen der zirkulären Automobilwirtschaft. In Kooperation mit Porsche Consulting entstanden, untersucht die Arbeit erstmals ganzheitlich die regulatorischen, industriellen und verbraucherseitigen Dimensionen des Fahrzeug-Recyclings.
Auf Basis einer repräsentativen Befragung und maschinellen Lernverfahren identifiziert die Arbeit vier zentrale Nutzer-Personas und zeigt: Entscheidend für die Rückgabe von Altfahrzeugen sind neben finanziellen Anreizen vor allem Vertrauen und Transparenz. Die Ergebnisse der Arbeit fließen aktuell in laufende Beratungsprojekte ein und fließen so bereits in die grüne Transformation der Industrie mit ein.
Über den Preis
Mit dem Wissenschaftspreis „Zukunft der Arbeitswelt“ zeichnen die Volksbank Kurpfalz Stiftung und das ZEW Mannheim seit 2013 den wirtschaftswissenschaftlichen Nachwuchs der Region aus. Prämiert werden hervorragende Dissertationen und Masterarbeiten auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften, die an einer Universität oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung – insbesondere der Metropolregion Rhein-Neckar – angefertigt wurden. Ausschlaggebend für die Prämierung sind die fachliche Exzellenz, die praktische Relevanz, ein starker empirischer Schwerpunkt, ein hoher Nutzwert durch eine innovative Problemlösung und die Originalität des Themas.
Die Auswahl der zahlreichen Einreichungen erfolgt durch eine Jury. In diesem Jahr ist der Wissenschaftspreis jeweils mit 2.000 Euro dotiert. Die Preise sind mit der Möglichkeit zu einem Forschungsaufenthalt am ZEW verbunden und werden jährlich in einem feierlichen Rahmen verliehen.