Ende der 1990er verstärkten Venture-Capital (VC) Investoren ihre ausländischen Investitionen. Im Vergleich zu den inländischen Investitionen dürften ausländische Investitionen mit höheren Transaktionskosten und Informationskosten verbunden sein, da die Informationsasymmetrien zwischen den Unternehmern und Investoren besonders stark ausgeprägt sind, und deshalb eine vor der stattfindenden Investition zeitaufwendige Auswahlphase, und nach erfolgter Investition eine zeitintensive Unterstützung und Überwachung des Managements durch den Investor erfordern. Es gibt jedoch mindestens zwei Vorteile, die diese mit ausländischen Investitionen verbundenen höheren Kosten kompensieren können. Beim Überschreiten von Ländergrenzen können VC-Investoren Renditedifferenziale zwischen ihrem Heimatland und dem Land des Portfoliounternehmens ausnutzen. Auch wenn solche Renditedifferenziale nicht existieren, können VC-Investoren einen Anreiz haben, im Ausland zu investieren, um so ihr Portfolio geographisch zu diversifizieren und dadurch ihr Länderrisiko zu reduzieren. In diesem Forschungsaufsatz werden ökonomische Determinanten von ausländischen und inländischen VC-Investitionen untersucht. Ein besseres Verständnis der Determinanten von ausländischen und inländischen Investitionen ist dabei nicht nur für akademische Kreise, sondern auch für die wirtschaftspolitische Beratung interessant, da ausländische Investitionen potentielle Beschränkungen des inländischen VC-Angebotes aufweichen können. Die Analyse basiert auf einem Datensatz europäischer und nordamerikanischer Länder. Die Ergebnisse zeigen, dass mehr Patente in einem Land zu einer Steigerung der inländischen wie auch der ausländischen Investitionen führen. Ein höheres erwartetes Wachstum hilft ebenfalls, ausländische Investoren anzuziehen. Darüber hinaus haben Länder mit entwickelten Kapitalmärkten höhere inländische Investitionen und ziehen mehr ausländische Investoren an. Um Einblicke darüber zu gewinnen, ob VC-Zuflüsse mögliche Beschränkungen des inländischen Angebots aufweichen, werden anschließend Netto-VC-Zuflüsse auf Länderpaarebene betrachtet. Netto-VC-Zuflüsse werden dabei definiert als die Investitionen, die Portfoliounternehmen im Land i von Investoren aus dem Land k erhalten, abzüglich der Investitionen, die Portfoliounternehmen im Land k von Investoren aus dem Land i erhalten. Unsere Ergebnisse induzieren, dass Länder mit höheren erwartetem Wachstum und höheren Renditen im Kapitalmarkt höhere Netto-VC-Zuflüsse erhalten. Länder mit einer höheren Marktkapitalisierung und einem guten rechtlichen und steuerlichen Umfeld für VC-Intermediation, hingegen, haben geringere Netto-VC-Zuflüsse, d.h. VC-Investoren aus diesen Ländern investieren mehr im Ausland, als ausländische VC-Investoren in diesen Ländern. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass VC-Investoren in Ländern mit höherer Marktkapitalisierung das Kapital zu besseren Bedingungen aufnehmen können und dass ein attraktives rechtliches und steuerliches Umfeld VC-Investoren Anreize geben kann, im Ausland zu investieren. Unsere Ergebnisse unterstützen die These, dass Netto-VC-Zuflüsse aus dem Ausland Beschränkungen im inländischen VC-Angebot aufweichen können.

Schertler, Andrea und Tereza Tykvova (2010), What Lures Cross-Border Venture Capital Inflows?, ZEW Discussion Paper No. 10-001, Mannheim. Download

Autoren

Schertler, Andrea
Tykvova, Tereza

Schlagworte

Venture Capital, Internationalization, Net Cross-Border Inflows, Economic Determinants