Jedes Jahr müssen sich Abiturienten nicht nur für ein Studienfach, sondern auch für eine Universität entscheiden. Diese Wahl der Universität treffen sie jedoch unter unvollständiger Information bezüglich ihrer eigenen Fähigkeiten, der Qualität der Universität sowie dem jeweiligen Ertrag eines Hochschulabschlusses. Daher könnten Qualitätsindikatoren wie Hochschulrankings und Exzellenzlabels wertvolle Informationen für die Wahl der Universität liefern.

Dieses Papier analysiert, ob angehende Studierende Qualitätsindikatoren als Informationsquelle während des Bewerbungsprozesses nutzen und ob sich der Einfluss verschiedener Rankingdimensionen - z.B. Forschung, Betreuung, Infrastruktur der Fakultät sowie die Zufriedenheit der derzeitigen Studierenden - unterscheidet. Dafür wird untersucht, wie die verschiedenen Rankingindikatoren des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) sowie die 2006 und 2007 verliehenen Exzellenzlabels die Wahl der Universität von hochqualifizierten Bewerbern beeinflussen. Um die Bedeutung der verschiedenen Qulitätssdimensionen von der allgemeinen Attraktivität einer Universität unterscheiden zu können, nutzt die Studie die Veränderungen der Rankings und Exzellenzlabels über die Zeit.

Die Analysen ergänzen die bestehende Literatur durch die Betrachtung verschiedener Rankingdimensionen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der allgemeinen Attraktivität einer Hochschule. Dafür wird ein umfassender, administrativer Datensatz der deutschen Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ausgewertet. Dieser enthält individuelle Informationen aller Bewerber für ein Medizinstudium der Jahre 2002 bis 2008. Die Evaluation der Exzellenzinitiative zeigt, dass der Anteil der Bewerber an den "Exzellenz-Universitäten" durchschnittlich um 19% angestiegen ist. Des Weiteren scheinen die nicht forschungsbezogenen Qualitätsdimensionen wie das Betreuungsverhältnis, die Infrastruktur der Fakultät und die Zufriedenheit der Studierenden die Hochschulwahl stärker zu beeinflussen als die forschungsbezogenen Rankingindikatoren. Dieses Ergebnis mag kontraintuitiv erscheinen, ist aber durchaus plausibel. Ist die Forschungsqualität der Hochschulen allgemein bekannt und wird zu einem Großteil als über die Zeit konstant wahrgenommen, so bieten die forschungsbezogenen Indikatoren des Rankings keine zusätzlichen Informationen für die Bewerber. Qualitätsindikatoren beeinflussen die Wahl der Universität somit vor allem dann, wenn sie zusätzliche, ohne das Ranking unbekannte Informationen über die Qualität der Universitäten liefern. Insgesamt ist der Einfluss von Qualitätsindikatoren auf die Hochschulwahl jedoch moderat. Die Entfernung zur Universität bleibt in Deutschland weiterhin der stärkste Einflussfaktor für die Wahl der Hochschule.

Die Veröffentlichung von Rankings in verschiedenen Qualitätsdimensionen vergrößert aber in jedem Falle die Informationsbasis gegenüber aggregierten Hochschulrankings und unterstützt somit eine wohlüberlegte Hochschulwahl. Eine verbesserte Passung zwischen Studenten und Universität könnte wiederum zu besseren Bildungsergebnissen führen und so dem Gemeinwohl dienen. Zusätzlich könnten multidimensionale Rankings für die Top-Forschungsfakultäten auch Anreize zur Investition in die Qualitätsdimensionen Betreuung, Infrastruktur und die Zufriedenheit der Studierenden erzeugen.

Schlagworte

higher education, university choice, college admission, conditional logit