Diese Arbeit untersucht die Auswirkung eines Untersuchungsberichts des Bundeskartellamts auf die Weitergabe von EU-Zertifikatspreisen am deutschen Großhandelsmarkt für Strom.

Seit Anfang 2005 verpflichtet das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) größere Verursacher von Treibhausgasen, ihre Emissionen zu erfassen und am Ende jeden Jahres eine entsprechende Anzahl an CO2-Zertifikaten (European Emission Allowances - EUA) vorzulegen. In mehreren europäischen Ländern wurden daraufhin steigende Strompreise beobachtet. Für die deutsche Strombörse fanden Zachmann and von Hirschhausen (2008) eine asymmetrische Reaktion des Strompreises auf Veränderungen des Börsenpreises für CO2-Zertifikate: Die Reaktion auf Preisanstiege im EUA-Markt, so Zachmann and von Hirschhausen (2008), war ausgeprägter als die Reaktion auf Preissenkungen.

Dieses Diskussionspapier bestätigt das zentrale Ergebnis von Zachmann and von Hirschhausen (2008) mit anderen Daten und einer verfeinerten Methodik, schränkt jedoch den Zeitrahmen, in der die Asymmetrie beobachtet werden kann, ein. Im März 2006 veröffentlichte das Bundeskartellamt ein "Sachstandspapier zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung in Sachen Emissionshandel und Strompreisbildung" mit einer überraschend kritischen Bewertung der Preisweitergabe von EUA-Preisen am Strommarkt (BKartA, 2006). Die asymmetrische Preisbildung war zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht bekannt und war auch nicht Bestandteil der Untersuchungen. Unsere Ergebnisse legen dennoch nahe, dass die asymmetrische Preisweitergabe mit der Veröffentlichung des Berichts verschwindet. Anhand der gewählten Methodik können wir andere bedeutende Ereignisse, wie den Einbruch der EUA-Preise im April 2006, als treibende Faktoren unserer Ergebnisse ausschließen. Unsere Ergebnisse belegen somit die abschreckende Wirkung der Wettbewerbsaufsicht bei nicht-wettbewerblicher Preisbildung in konzentrierten Märkten. Für aktuellere Jahre können wir keinerlei Asymmetrie in der Preisweitergabe erkennen. Verschiedene Robustheitstests bekräftigen unsere Ergebnisse.

Schlagworte

asymmetric price adjustment, regulatory monitoring, wholesale electricity markets, emission trading