Eine der wichtigsten Fragen in der experimentellen Wirtschaftsforschung ist, ob das Verhalten der Versuchspersonen in einem Spiel Vorhersagen für das Verhalten in anderen Spielen oder in anderen Kontexten erlaubt. Kritiker argumentieren häufig, dass das Verhalten der Versuchspersonen den Laborbedingungen geschuldet ist und kaum Rückschlüsse auf ihr Verhalten außerhalb des Labors zulässt. Diese Frage ist insbesondere relevant für Verhaltensmuster, die sich nicht mit der Standardannahme des 'homo oeconomicus', sondern mit sozialen Präferenzen begründen lassen, da diese Verhaltensmuster oft im Labor untersucht werden. Die Experimente, die sich mit der Stabilität von sozialen Präferenzen über verschiedene Spiele und Kontexte beschäftigen, kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Die fehlende Eindeutigkeit kann teilweise mit dem Ansatz der 'konstruierten Präferenzen' erklärt werden. Dieser geht davon aus, dass Personen, die mit einer ungewohnten Entscheidungssituation konfrontiert werden, über keine existierenden Präferenzen verfügen, sondern diese spontan konstruieren. Mit zunehmender Erfahrung verfestigen sich die Präferenzen und werden stabiler. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Fragen, indem sie Spendenentscheidungen und Entscheidungen in einem konventionellen Diktatorspiel im Rahmen eines Experiments vergleicht. Dabei stellt die Spendenentscheidung eine bekannte Entscheidungssituation dar, in der die Versuchspersonen über existierende Präferenzen verfügen. Das Diktatorspiel dagegen stellt eine ungewohnte Situation dar, in der die Versuchspersonen ihre Präferenzen vermutlich eher ad hoc konstruieren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Reihenfolge der beiden Entscheidungen. Unsere Ergebnisse zeigen eine signifikant positive Korrelation zwischen beiden Entscheidungen, sofern die Spendenentscheidung vor der Diktatorspielentscheidung präsentiert wird. Während das Verhalten im Diktatorspiel von der Reihenfolge der beiden Entscheidungen abhängt, ist das Spendenverhalten unabhängig von der Reihenfolge. Das heißt, die Spendenentscheidung hat Erklärungskraft für die nachfolgende Entscheidung im Diktatorspiel, aber nicht umgekehrt. Wir schließen daraus, dass Entscheidungen in bekannten Situationen besser geeignet sind, um Aussagen über individuelle soziale Präferenzen abzuleiten. Darüber hinaus sollte der Reihenfolge der Spiele in einem Experiment besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn die Spiele die Versuchspersonen vor eine neue Entscheidungssituation stellen.

Schlagworte

social preferences, charitable donations, dictator game, experiment