Dieses Papier leistet einen Beitrag zu einem neuen Forschungsgebiet, welches sich unter dem Begriff "Carbon Finance" zusammenfassen lässt. Carbon Finance befasst sich mit CO2-Zertifikaten aus finanzwirtschaftlicher Perspektive. Die Forschung konzentriert sich bspw. auf die stochastischen Eigenschaften von CO2-Emissionsberechtigungen oder ihre empirische Beziehung zu fundamentalen Einflussfaktoren. Die aktuelle Literatur setzt sich vorwiegend mit europäischen Emissionsberechtigungen auseinander, den so genannten European Union Allowances (EUAs). Neue Ergebnisse zeigen, dass die EUA Preise sehr stark von Energiepreisen beeinflusst werden, insbesondere von Strom-, Gas- und Erdölpreisen. Darüber hinaus haben branchenspezifische Industrieproduktion sowie regulierende Maßnahmen einen signifikanten Einfluss auf die EUA Preise. Andererseits zeigen die Ergebnisse, dass zwischen EUA Preisen und makroökonomischen Risikofaktoren, wie bspw. der Ausfallrisikoprämie, kurzfristigen Zinssätzen oder ausgewählten Markt-Portfolios, nur eine schwache Beziehung besteht. Diese Arbeit ergänzt die bestehende Carbon Finance Literatur durch die Modellierung von EUA Preisänderungen, die in Folge von planmäßigen makroökonomischen und regulatorischen Ankündigungen erfolgen. Die Modellierung konzentriert sich auf hochfrequente Preisänderungen unter Berücksichtigung ihrer wichtigsten Eigenschaften, wie bspw. Intratagesvolatilität, Volatilitätsclustern oder der starken Persistenz der Volatilität. Die Ergebnisse zeigen, dass die hochfrequente EUA Preisdynamik sehr gut mit Hilfe eines fraktional integrierten asymmetrischen Power-GARCH Prozesses erfasst werden kann - ein auf fraktionaler Integration basierender Prozess, der es ermöglicht die starke serielle Autokorrelation der quadrierten Preisänderungen abzubilden. Die Entscheidungen der Europäischen Kommission über die Höhe der zweiten Nationalen Allokationspläne (die als Proxy für planmäßige regulatorische Ankündigungen verwendet werden) haben einen starken und unmittelbaren Einfluss auf die EUA Preise. Im Gegensatz dazu legen die Ergebnisse nahe, dass planmäßige makroökonomische Ankündigungen nur einen schwachen Einfluss auf die EUA Preisänderungen ausüben. Auf Basis dieser Ergebnisse scheint sich die Informationsverarbeitung auf dem Markt für europäische Emissionsberechtigungen von derjenigen auf Aktien-, Anleihe- oder Devisenmärkten, in denen Preise schnell und unmittelbar auf planmäßige makroökonomischen Ankündigungen reagieren, zu unterscheiden.

Conrad, Christian, Daniel Rittler und Waldemar Rotfuß (2010), Modeling and Explaining the Dynamics of European Union Allowance Prices at High-Frequency, ZEW Discussion Paper No. 10-038, Mannheim. Download

Autoren

Conrad, Christian
Rittler, Daniel
Rotfuß, Waldemar

Schlagworte

EU ETS, EUA, Announcement Effects, Price Formation, Long Memory