Die empirische Literatur zur Zinsstruktur zeigt, dass sich langfristige Zinsen nicht - wie dies die sogenannte Erwartungshypothese nahelegt - aus einer Kombination aus den für die Zukunft erwarteten kurzfristigen Zinsen und einer konstanten Risikoprämie zusammensetzen. Vielmehr ist die Risikoprämie für das Halten langfristiger Anleihen über die Zeit variabel und prognostizierbar. Für die Geldpolitik, die mit dem kurzfristigen Leitzins auch langfristige Marktzinsen beeinflussen möchte, sind die Gründe für die Bewegungen dieser Risikoprämien daher besonders interessant. Unsere Studie trägt zu einem besseren Verständnis der Risikoprämien auf Anleihemärkten bei, indem sie explizit die Erwartungen hinsichtlich der Risikoprämien auf Zinsmärkten untersucht. Dies geschieht auf der Grundlage von umfragebasierten Individualdaten aus dem Survey of Professional Forecasters (SPF), die vierteljährlich von der Federal Reserve Bank Philadelphia unter Prognostikern aus Banken, Finanzunternehmen und Forschungsinstituten in den USA erhoben werden. Wir zeigen empirisch, dass die Erwartungen bei Risikoprämien signifikant von Erwartungen hinsichtlich der realen makroökonomischen Entwicklungen (z.B. die Entwicklung des BIP) beeinflusst werden, während nominale Größen (z.B. Inflationserwartungen) eine im Vergleich geringere Rolle spielen. Auch die Unsicherheit, die die Prognostiker in Bezug auf die Einschätzung der künftigen makroökonomischen Entwicklung haben, wirkt sich auf die Erwartungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Risikoprämien aus. Nach unseren Ergebnissen stehen erwartete Risikoprämien in einem positiven Zusammenhang mit erwarteter wirtschaftlicher Dynamik und Inflationserwartungen. Auch die Unsicherheit über die Entwicklung wirtschaftlicher Größen führt dazu, dass mit einem Anstieg der Risikoprämien gerechnet wird. Weiterhin untersuchen wir, wie die Form der Zinsstrukturkurve mit den erwarteten Risikoprämien zusammenhängt. So wird offenbar insbesondere die Krümmung der Zinsstrukturkurve von Informationen beeinflusst, die sich auch aus den von uns gemessenen Erwartungen hinsichtlich der Veränderungen der Risikoprämien ergeben. Wir weisen außerdem nach, dass die erwarteten Veränderungen der Risikoprämien Erklärungskraft für am Markt beobachtbare Überrenditen von langfristigen Anleihen haben. Dies unterstreicht, dass die von uns verwendeten Erwartungen tatsächlich das Geschehen an den Anleihemärkten verstehen helfen.

Autoren

Dick, Christian
Schmeling, Maik
Schrimpf, Andreas

Schlagworte

Bond Yields, Expectations Hypothesis, Time-varying Risk Premia, Term Premia, Aggregate, Uncertainty