Gründungen können als Vehikel des Wissens- und Technologietransfers angesehen werden. Dies geschieht in der Weise, dass Gründer Ideen kommerzialisieren, die sonst vernachlässigt worden wären. Eine Gruppe von Gründungen, die besonders geeignet ist, Wissen und Technologien zu verbreiten, sind Gründungen von ehemaligen Beschäftigten etablierter Unternehmen. Sie werden gewöhnlich als Corporate Spinoffs bezeichnet. In diesem Papier untersuchen wir, ob der Transfer von Ideen und Fähigkeiten aus bestehenden Unternehmen das Beschäftigungswachstum und die Innovationsaktivitäten neuer Unternehmen beeinflusst.

Ein wichtiger Beitrag unseres Papiers ist, eine Definition von Corporate Spinoffs zu verwenden, die direkt auf den Wissens-und Technologietransfers abzielt. Das für die Untersuchung verwendete KfW/ZEW-Gründungspanel enthält explizite Informationen zur Bedeutung von Ideen und Fähigkeiten, welche die Gründer in ihrer vorherigen Beschäftigung entwickelt haben, für die Gründung des Unternehmens. Wir klassifizieren eine Gründung als Corporate Spin-off, wenn eine neue Idee, die während der Arbeit der Gründer für ein etabliertes Unternehmen entstanden ist, unverzichtbar für die Gründung war. Wir verwenden das Propensity Score Matching-Verfahren, um festzustellen, ob diese Idee kausal mit dem Beschäftigungswachstum und den Innovationsaktivitäten von Corporate Spinoffs zusammenhängt. Als Kontrollgruppe dienen Gründungen von ehemaligen Beschäftigten, für die eine solche Idee nicht unverzichtbar war. Außerdem untersuchen wir, ob eine Idee, die zumindest von großer Bedeutung war, und Fähigkeiten, die unverzichtbar für die Gründung waren, einen kausalen Effekt auf die Ergebnisvariablen haben.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Transfer einer unverzichtbaren Idee zu höheren Innovationsaktivitäten, aber nicht zu mehr Beschäftigungswachstum führt. Gründungen, die auf einer Idee von mindestens großer Bedeutung basieren, profitieren von der Idee sowohl in Bezug auf Innovationsaktivitäten als auch auf Beschäftigungswachstum. Unverzichtbare Fähigkeiten haben jedoch kaum Einfluss auf die Ergebnisvariablen. Wir schließen daraus, dass eine transferierte Idee in erster Linie ein Inputfaktor und ein Impuls für nachfolgende Innovationsaktivitäten von Gründungen ist. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass es wichtig ist, sorgfältig zwischen den unterschiedlichen Arten des Wissens- und Technologietransfers zu unterscheiden. Gründungen profitieren nicht von allen Arten gleichermaßen. Im Hinblick auf Innovationsaktivitäten sind es eher Ideen, die zählen, als Fähigkeiten.

Autoren

Fryges, Helmut
Müller, Bettina
Niefert, Michaela

Schlagworte

knowledge and technology transfer, corporate spinoffs, propensity score matching, KfW/ZEW Start-Up Panel