In den letzten zehn Jahren haben politische Entscheidungsträger, gemeinnützige Organisationen und die Medien wiederholt mehr Transparenz hinsichtlich der globalen Steueraktivitäten multinationaler Unternehmen gefordert. Hintergrund dieser Forderungen ist der Verdacht auf aggressive Steuerplanung seitens multinationaler Unternehmen, die beispielsweise durch ihre Präsenz in Steueroasen oder der Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer beabsichtigen, ihr globales Steueraufkommen so gering wie möglich zu halten. Dementsprechend steht erhöhte Steuertransparenz ganz oben auf der politischen Agenda. Dies führte schließlich zu dem Vorschlag der OECD, die länderbezogene Berichterstattung für multinationale Unternehmen verpflichtend einzuführen, bei dem die betroffenen Unternehmen den zuständigen nationalen Steuerbehörden ihre globale Gesamtaktivität offenlegen müssen. Seit 2016 ist ein solches Country-by-Country Reporting (CbCR) für Unternehmen, die in der Europäischen Union tätig sind, gesetzlich vorgeschrieben. Während EU-Politiker das CbCR in erster Linie als Reaktion auf die als schädlich empfundenen Steuerpraktiken multinationaler Unternehmen eingeführt haben, sind die Auswirkungen einer solchen erhöhten Transparenz auf Unternehmensentscheidungen noch weitestgehend unklar. Gleichzeitig ist diese Frage aus ökonomischer und politischer Sicht höchst relevant, da Unternehmen nicht nur ihre Steuerstrategien, sondern auch ihre globalen Aktivitäten in Form von Investitionsströmen und Beschäftigung ändern könnten.