Reformen wie die Einführung eines höheren Rentenalters sind denkbar unpopulär, obwohl sie angesichts der demografischen Entwicklung unausweichlich erscheinen. Reformpolitisch ist ein besseres Verständnis solcher Reformwiderstände wünschenswert. Bisherige Untersuchungen haben dabei vor allem den Einfluss sozioökonomischer Charakteristika, wie z.B. Geschlecht, Alter oder Einkommen, sowie den Informationsstand der Individuen in den Blick genommen. Faktoren, die mit den individuellen Arbeitspräferenzen zusammenhängen, wurden hingegen bislang vernachlässigt. Dieser Beitrag untersucht daher die Rolle der intrinsischen Arbeitsmotivation zur Erklärung von Reformpräferenzen. Solche nicht-monetären Arbeitsanreize sollten in einer umfassenden Analyse von Reformwiderständen berücksichtigt werden. So ist zu erwarten, dass Menschen mit hoher intrinsischer Motivation einen geringeren Nutzenverlust durch eine Anhebung des Renteneintrittsalters erfahren als Personen, die Arbeit als eine große Last empfinden. Wir betrachten dazu zunächst die Bildung von individuellen Rentenreformpräferenzen im Rahmen einer optimalen Arbeits-/Rentenentscheidung („job separation decision“). Demnach sollte für ein Individuum mit hoher intrinsischer Motivation eine Anhebung des Renteneintrittsalters eine relativ attraktive Reformoption im Vergleich zu den Alternativen einer Rentenkürzung oder höherer Rentenbeiträge sein. Wir testen diese Hypothese anhand repräsentativer Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS). Dabei erweist sich eine hohe intrinsische Arbeitsmotivation als eine robuste Determinante individueller Rentenreformpräferenzen. Unser Ergebnis ergänzt somit die Literatur zur intrinsischen Motivation und trägt ebenfalls zu einem verbesserten Verständnis von Reformprozessen und deren Determinanten bei. Während die Bedeutung intrinsischer Arbeitsmotivation bislang lediglich vor dem Hintergrund der Effizienz von Organisationen bzw. Unternehmen betrachtet wurde, belegen unsere Ergebnisse ihren Einfluss in der Bildung wirtschaftspolitischer Präferenzen. Fehlende nicht-monetäre Anreize treiben demnach den Widerstand gegenüber Reformen, die einen höheren Arbeitseinsatz erfordern. Gesellschaften, in denen Arbeit vorwiegend als Last wahrgenommen wird, stehen daher vor größeren Schwierigkeiten den Herausforderungen des demografischen Wandels gerecht zu werden als Gesellschaften mit einer hohen Arbeitsethik.