Durch internationale Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (F&E) haben Unternehmen nicht nur die Möglichkeit schneller und besser auf lokale Kundenbedürfnisse reagieren zu können sondern auch von lokalen Wissensressourcen weltweit zu profitieren. Allerdings können Unterschiede der kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu einem höheren Risiko für die intellektuellen Eigentumsrechte der Unternehmen führen. In diesem Zusammenhang untersucht diese Forschungsarbeit, ob Unternehmen mit internationalen Innovationstätigkeiten ein höheres Risiko der Verletzung ihrer intellektuellen Eigentumsrechte eingehen, als Firmen, die nur in ihrem Heimatland innovativ tätig sind. Für diese Analyse werden verschiedene Verstöße von ausländischen Wettbewerbern gegen intellektuelle Eigentumsrechte unterschieden: die Nutzung technischer Innovationen, Produktpiraterie und die Imitation des Firmennamens oder -designs. Die Forschungsarbeit basiert zum einen auf einer qualitativen Studie, im Rahmen derer fünf deutsche Unternehmen und ein juristischer Berater, die in China tätig sind, interviewt wurden und auf einer empirischen Studie, die auf Daten des Mannheimer Innovationspanels (MIP) fußt. Die Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen, dass die befragten Unternehmen bezweifeln, dass F&E Tätigkeiten in China zu einem höheren Risiko intellektueller Eigentumsrechtsverletzungen führen. Alle Unternehmen waren mit Verletzungen ihres intellektuellen Eigentums konfrontiert, jedoch in kontrollierbarem Ausmaß. Die empirische Analyse zeigt, dass internationale F&E Tätigkeiten das Risiko der Verletzungen von firmeneigenem technologischem Wissen erhöht, während Firmen, die nur in ihrem Heimatland F&E tätig sind, mit einer größeren Wahrscheinlichkeit von Produktpiraterie betroffen sind. Die Effekte von F&E Tätigkeiten in Ländern mit stärkeren Schutzrechten sowie in Ländern mit schwachen Eigentumsrechten unterscheiden sich nicht. Die Produktion von innovativen Gütern im Ausland fördert eher Eigentumsverletzungen aus dem Ausland als F&E Tätigkeiten. Eine größere Bandbreite von Innovationsprozessen im Ausland geht auch einher mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von intellektuellen Eigentumsverletzungen aus den Zielländern. Die unerlaubte Nutzung von Unternehmenswissen aus Ländern, in denen die Unternehmen keine Innovationstätigkeiten lokalisiert haben, ist vornehmlich der Exportintensität der Unternehmen zuzurechnen.

Schlagworte

R&D, innovation, internationalisation, intellectual property, infringement