Das weltweite Wirtschaftswachstum hängt zusehends vom internationalen Austausch von Wissen ab. Multinationale Unternehmen (MNUs) und ihre internationalen Niederlassungen stellen wesentliche Übertragungskanäle für diese grenzüberschreitenden Wissensflüsse dar. Interessanterweise existieren bislang relativ wenige Forschungsarbeiten dazu, wie MNUs aktiv versuchen, den Abfluss von Wissen im Ausland zu verhindern. Diese Studie greift das Thema auf und untersucht, mit welchen Strategien MNUs versuchen sich die finanziellen Erträge ihrer Investitionen in Innovationsaktivitäten anzueignen (Appropriability). Im Kern geht die Studie dabei auf unterschiedliche Formen von Schutzmaßnahmen für geistiges Eigentum ein. Diese sind nicht auf formale Instrumente (Patente, Urheberrechte, eingetragene Marken) begrenzt. Sie beinhalten auch strategische, organisatorische Maßnahmen wie Geheimhaltung, zeitlicher Vorsprung oder komplexe Gestaltung von Abläufen und Produkten. Diese Arbeit entwickelt konzeptionell die Konstrukte der Breite und Tiefe von Schutzmechanismen gegen den Abfluss von Wissen und setzt sie in Beziehung zur besonderen Situation von MNUs. Besonderer Wert wird dabei auf den Einfluss des Gastlands gelegt, dessen Chancen und Herausforderungen die Strategien zum Wissensmanagement beeinflussen sollten. Diese konzeptionellen Überlegungen werden empirisch auf Basis einer harmonisierten Umfrage in Portugal und Deutschland für mehr als 1800 Unternehmen überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass die Strategien zum Schutz geistigen Eigentums im Ausland nicht auf Patente beschränkt sind. Darüber hinaus sind MNUs weniger restriktiv in der Kontrolle möglicher Wissensabflüsse, wenn im Gastland bedeutendere Möglichkeiten zur Wissensaufnahme bestehen. Diesen Schluss läst die vorliegende Arbeit zu, da die Ergebnisse nicht auf ein einziges Land beschränkt bleiben sondern den Vergleich zwischen Portugal und Deutschland ermöglichen. Zusammenfassend leistet die vorliegende Studie einen Beitrag zur Diskussion über die Rolle von MNUs für den Wissensaustausch im Gastland. Die Analyse zeigt, dass die Möglichkeiten von Wissensflüssen im Gastland zu profitieren, sich auch darin widerspiegeln, wie MNUs ihr Wissen im Ausland schützen. Die Ergebnisse legen nahe, dass MNUs nur dann vollständig von regional gebundenem Wissen im Gastland profitieren können, wenn es ihnen gelingt in die dort existierenden Netzwerke integriert zu werden. Diese Integration erzwingt anscheinend auch, dass MNUs nicht nur Wissen empfangen sondern auch bereit sind, ihr Wissen einzubringen.

Faria, Pedro und Wolfgang Sofka (2008), Formal and Strategic Appropriability Strategies of Multinational Firms – A Cross Country Comparison, ZEW Discussion Paper No. 08-030, Mannheim, erschienen in: Research Policy. Download

Autoren

Faria, Pedro
Sofka, Wolfgang

Schlagworte

Appropriability, Multinational Companies, Patenting