Das Prinzip Form folgt Funktion ist aus der modernen Architektur und dem Industriedesign bekannt. Auf Basis dieses Prinzips sollte sich die Form eines Gebäudes oder eines Gegenstandes vor allem aus der beabsichtigten Funktion bzw. dem Zweck herleiten. Dieser Aufsatz untersucht, inwieweit die Form multinationaler Konzerne der Funktion der Steuerzahlungsminimierung folgt.

Das Papier liefert Evidenz zu den Strukturen multinationaler Konzerne und untersucht, inwieweit diese Strukturen steuerlich effizient sind. Die in diesem Aufsatz betrachtete Architektur bezieht sich somit auf multinationale Konzernstrukturen. Zwar kann die Gewinnsteuer auf der Ebene der in einem Land aktiven Tochtergesellschaft kaum vermieden werden, Quellensteuern jedoch hängen von der Struktur ab, in die die Tochter eingebettet ist. Durch das Zwischenschalten von Holdinggesellschaften oder durch die Anpassung des Über/Unterordnungsverhältnisses von Töchtern können multinationale Unternehmen oft ihre Gesamtsteuerlast beeinflussen. Dies gilt insbesondere hinsichtlich Repatriierungssteuern auf ausgeschüttete Dividenden. Das Papier analysiert Mikrodaten auf Unternehmensebene über 58 Länder hinweg von 1996 bis 2008.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere Quellensteuer zwischen zwei in verschiedenen Ländern befindlichen Konzerntöchtern die Wahrscheinlichkeit einer indirekten Beteiligung erhöht. Anders gesagt werden Holdings also grundsätzlich dort eingesetzt, wo sie zumindest potenziell zur Ersparnis von Quellensteuern beitragen können. Operative Töchter werden tendenziell von Töchtern gehalten, die sich in Ländern mit geringen Quellensteuern gegenüber der Muttergesellschaft befinden. Die Existenz einer Zwischengesellschaft führt jedoch in rund der Hälfte aller Fälle zu gar keiner Steuerersparnis und in 5% aller Fälle ist die Steuerlast auf repatriierte Gewinne mit Zwischenholding sogar höher als wenn es sie nicht gäbe. Obwohl Gruppenstrukturen also grundsätzlich steuerlich getrieben sind, bestehen doch nichtsteuerliche Einflussfaktoren, die sich manchmal durchsetzen. Neben Treibern der vertikalen Konzernstruktur zeigt das Papier einen horizontalen Treiber: bei Verfügbarkeit einer Gruppenbesteuerungsoption scheinen Konzerne ihre nationalen Investitionen auf mehr Tochtergesellschaften zu verteilen.

Steuern sind für die Konzernstruktur bedeutsam. Angesichts weiterer Einflussfaktoren und der Notwendigkeit hierarchischer Klarheit hat der Steuereinfluss jedoch Grenzen. Die Form folgt tatsächlich der Funktion, aber es zeigt sich, dass dabei nicht nur auf das Sparen von Quellensteuern und die Verrechnung von Gewinne und Verlusten geachtet wird. Multinationale Unternehmen wollen zwar grundsätzlich Steuern sparen, in der Schaffung ihrer Holdingstrukturen bleiben sie jedoch – vielleicht irrationalerweise – souverän. Sowohl in der Architektur als auch bei multinationalen Konzern scheint das Credo zu gelten, dass die Konstruktionen die man errichtet so sind wie man selbst und man selbst so ist wie diese Konstruktionen.

Schlagworte

Corporate Taxation, Foreign Direct Investment, Holdings, Multinational Firms, Withholding Taxes