Die Deregulierung und Privatisierung öffentlicher Versorgungsunternehmen wirft in netzgebundenen Industrien die Frage auf, wie der effiziente Zugang zum Netzwerk durch Wettbewerber auf dem Dienstleistungsmarkt gewährleistet werden kann. Oft wird das Netzwerk von einem Unternehmen kontrolliert, das zugleich Dienste unter Nutzung des Netzes erbringt und auf diesem Markt mit neuen Unternehmen in Konkurrenz steht. Der effizienten Bereitstellung der Dienstleistungen durch eine niedrige Zugangsgebühr steht entgegen, dass der Netzwerkbetreiber ein Anreiz haben muss, das Netzwerk zu unterhalten und auszubauen. Typischerweise, muss der Regulierer in dem Konflikt zwischen dem Netzbetreiber, der einen hohen Zugangspreis bevorzugt, und den Diensteerbringern, die überzogene Zugangspreise monieren, vermitteln. Diese Untersuchung zeigt für einen Markt, in dem Qualitätswettbewerb vorherrscht, dass der Netzwerkbetreiber, der auch auf dem Servicemarkt tätig ist, einen Anreiz hat, eine ineffizient hohe Zugangsgebühr zu verlangen. Er profitiert dann sowohl vom dem Erlös aus der Zugangsgebühr, als auch von dem anbeschwächten Wettbewerb auf dem Servicemarkt. Die neuen Unternehmen stellen fest, dass die Zugangsgebühr über den Grenzkosten liegt und verlangen eine Überprüfung dieser Gebühr durch die Regulierungsbehörde. Wenn hingegen das eintretende Unternehmen keinen weiteren Marktzutritt zu befürchten hat, vereinbaren die beiden aktiven Unternehmen eine Zutrittsgebühr, die über dem effizienten Ma_ liegt, das den Grenzkosten entsprechen würde. Der Grund liegt darin, dass eine hohe Zugangsgebühr den Preiswettbewerb durch das eintretende Unternehmen unterbindet. In der Folge kann das etablierte Unternehmen seinen Preis erhöhen und einen höheren Erlös erzielen. In einer solchen Situation erhebt das neue Unternehmen nicht den Vorwurf einer exzessiven Zugangsgebühr. Unter einer ex post Regulierung, bei der der Regulierer erst einschreitet, wenn die Unternehmen keine Einigung erzielen, kann eine ineffizient hohe Zugangsgebühr unbemerkt bleiben.

Beschorner, Patrick (2008), Ex Post Regulation Facilitates Collusion, ZEW Discussion Paper No. 08-099, Mannheim. Download

Schlagworte

entry deterrence, access regulation, network infrastructure, vertical differentiation