In diesem Beitrag wird untersucht, inwieweit mit Hilfe einer Senkung der direkten Steuern bzw. der Sozialabgaben und einer gleichzeitigen Erhöhung der indirekten Steuern zur Kompensation der Einnahmenausfälle die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung verbessert werden kann. Es wurde dabei insbesondere überprüft, ob unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangssituationen die Wirkung der jeweiligen Massnahme beeinträchtigen. Als Grundlage der hier vorgenommenen Untersuchungen dient ein gesamtwirtschaftliches Modell für die westdeutsche Volkswirtschaft, das für den Zeitraum 1960 bis 1994 mit Quartalsdaten geschätzt wurde. Die Besonderheit dieses unter Berücksichtigung neuer Theorien formulierten Modells ist seine Eigenschaft, unterschiedliche Ursachen für Beschränkungen von Wirtschaftssubjekten, die beispielsweise in Form von Arbeitslosigkeit sichtbar werden, identifizieren zu können. Da die Volkswirtschaft als Aggregat vieler einzelner Märkte betrachtet wird, können zur selben Zeit unterschiedliche Ursachen hierfür verantwortlich sein. Das Modell ist nun in der Lage, die jeweiligen Anteile der einzelnen Ursachen zu bestimmen und somit eine wertvolle Hilfe für den Einsatz wirtschaftspolitischer Instrumente zu bieten. Als Ergebnis der Untersuchung kann festgehalten werden, dass die betrachteten Massnahmen in der Regel nicht zu den erwünschten positiven Beschäftigungswirkungen führen. Insbesondere eine Substitution der direkten Steuern durch indirekte Steuern, was volumenmässig vor allem eine Senkung der Lohnsteuer bedeutet, führt letztlich zu Beschäftigungsverlusten. Für das Ausmaß der Beschäftigungsänderung sind zwei Punkte von besonderer Bedeutung. Zum einen kommt es entscheidend darauf an, in welcher wirtschaftlichen Situation der Einsatz der Massnahme erfolgt. Wird die Beschäftigungsentwicklung durch zu geringe Sachkapazitäten beschränkt, kommt es nur zu einer geringfügigen Reaktion. Ist hingegen eine zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage als Ursache der Arbeitslosigkeit verantwortlich, kommt es infolge der unterstellten Massnahmen sogar zu einem Rückgang der Beschäftigung. Wenn die Tarifvertragsparteien aufgrund der steuerlichen bzw. Abgabenentlastung niedrigere Lohnabschlüsse tätigen, beeinflusst dies die Wirksamkeit der Massnahmen positiv. Für den Fall einer Verringerung der Sozialbeiträge in Verbindung mit niedrigeren Lohnabschlüssen kommt es sogar zu einer höheren Beschäftigung. Hier ist jedoch anzumerken, dass die unterstellte Berücksichtigung für den Untersuchungszeitraum nicht nachgewiesen werden konnte.