Die vorliegende Arbeit untersucht, ob genetisch veränderte Lebensmittel in Deutschland eine Absatzchance haben und ob die unterschiedlichen Kennzeichnungssysteme, freiwillig oder verpflichtend, es den Konsumenten ermöglichen, ihre Präferenzen zu offenbaren. Zu diesem Zweck haben wir ein Laborexperiment mit einer Stichprobe der Mannheimer Bevölkerung durchgeführt. Insgesamt nahmen 164 Personen an dem Experiment teil. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Auktionen, in denen die Teilnehmer reale Kaufgebote für Lebensmittel mit genetisch veränderten und nicht veränderten Inhaltsstoffen abgaben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer die nicht genetisch veränderten Lebensmittel deutlich bevorzugen. Im Durchschnitt verlangen sie einen Preisabschlag von etwa 50 %, um genetisch veränderte Lebensmittel zu kaufen. Demnach haben genveränderte Lebensmittel durchaus eine Absatzchance in Deutschland, sofern sie deutlich billiger sind als die konventionell erzeugten Produkte. In unserer Untersuchung waren die Zahlungsbereitschaften der Teilnehmer für die Produkte relativ stabil. Eine neutrale Information über potentielle Vor- und Nachteile der Nutzung von Biotechnologie in der Lebensmittelproduktion hat die Zahlungsbereitschaften der Konsumenten nicht signifikant beeinflusst. Da die Konsumenten die Existenz genveränderter Inhaltsstoffe nicht am Aussehen oder am Geschmack der Lebensmittelprodukte erkennen können, ist ein Kennzeichnungssystem erforderlich, um die Konsumenten über die Existenz oder auch Nichtexistenz solcher Zutaten zu informieren und es ihnen zu ermöglichen, ihre Präferenzen durch ihr Kaufverhalten auszudrücken. Strittig ist allerdings, welches der beiden möglichen Kennzeichnungssysteme, freiwillig oder verpflichtend, für diesen Zweck besser geeignet ist. Gegner der freiwilligen Kennzeichnung argumentieren häufig, Konsumenten hätten das "Recht zu Wissen" und fordern die verpflichtende Kennzeichnung aller genetisch veränderten Lebensmittel. Bei einer verpflichtenden Kennzeichnung müssen alle genveränderten Produkte als solche gekennzeichnet sein. Demnach enthält ein Produkt ohne eine solche Kennzeichnung keine genveränderten Inhaltsstoffe. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Argumentation unter bestimmten Umständen nicht zielführend ist. Wenn am Markt ein zweites (redundantes) Kennzeichen vorhanden ist, welches ein Produkt als explizit nicht genverändert ausweist, verlieren die Konsumenten das Vertrauen in die verpflichtende Kennzeichnung. Das heißt, beide Kennzeichnungssysteme, freiwillig und verpflichtend, erzeugen Unsicherheit bei den Konsumenten und ermöglichen es ihnen nicht, ihre tatsächlichen Präferenzen zu offenbaren. Für die Politik bedeutet dies, dass entweder das Vertrauen der Konsumenten in die existierende Kennzeichnungspflicht erhöht oder eine einheitliche Kennzeichnungsregelung für nicht genveränderte Produkte eingeführt wird.

Schlagworte

labeling, genetically modified foods, consumer preferences, experimental auctions