Das Argument, kürzere Produktlebenszyklen würden zu einem verstärkten Einsatz von Geheimhaltung statt Patentierens führen, basiert auf dem Effekt, dass Nachahmen weniger lohnend und Geheimhaltung effektiver werden. Die überprüfung dieses Arguments zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen der gegenteilige Effekt eintreten kann. Verkürzte Produktlebenszyklen können dazu führen, dass vermehrt Patentanmeldungen eingereicht werden. In der Folge ist es wahrscheinlicher, dass Patentdickichte entstehen. Im Modell bewirkt das verstärkte Patentieren durch ein Unternehmen, dass andere Unternehmen gezwungen werden, dieses Verhalten nachzuahmen. Andernfalls würden sie den Zugriff auf neue Technologien verlieren oder zumindest starke Gewinneinbußen erleiden. Um dies zu verhindern, beginnen auch die anderen Unternehmen zahlreiche, noch nicht ausgereifte Ideen, die sich erst später als erfolgreich herausstellen können, zum Patent anzumelden, statt nur wenige, ausgereifte Technologien anzumelden. Wenn diese Situation eintritt, befinden sich die Unternehmen in einem Gefangenendilemma: Jedes von ihnen bevorzugt die Situation, in der alle moderat patentieren. Wenn alle Unternehmen diese Strategie verfolgen hat jedes Unternehmen einen individuellen Anreiz doch wieder verstärkt zu patentieren. Das Vorliegen von Netzwerkeffekten verstärkt den Anreiz für jedes Unternehmen seine F&E-Intensität zu erhöhen. Dieser Effekt bewirkt, dass es für Unternehmen besonders profitabel ist, frühzeitig Marktanteile zu erlangen, weil sein größerer Marktanteil ein Unternehmen besonders attraktiv für neue Kunden macht. Deshalb sagt das Modell für solche Industrien einen anfangs verstärkten, später nachlassenden Technologiewettbewerb voraus. In gleicher Weise bewirken blockierende Patente, dass ihre Inhaber einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern erlangen. Dies sind Patente, die für eine bestimmte Technologie essenziell sind. Im Gegensatz zu Netzwerkeffekten beruht die Wirkung von blockierenden Patenten darauf, dass F&E Aufwendungen obsolet werden. Daher reduziert sich der Anreiz von Unternehmen zu patentieren, weil F&E-Investitionen weniger produktiv werden. Lizenzen sind ein wirksames Instrument, um Patentdickichte und die blockierende Wirkung von Patenten aufzulösen. Solche Vereinbarungen zwischen Unternehmen sollten vereinfacht werden, damit Technologien, die nur aufgrund von Patentdickichten brach liegen, eingesetzt werden können.

Beschorner, Patrick (2008), Do Shorter Product Cycles Induce Patent Thickets?, ZEW Discussion Paper No. 08-098, Mannheim. Download

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patent thicket, product cycles, licensing, network effects