Aufgrund der starken Energienachfrage von privaten Haushalten, insbesondere in Industrieländern, ist der Wohngebäudesektor einer der bedeutendsten Emittenten des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2). Beispielsweise entfallen in Deutschland 30 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs allein auf private Haushalte. Der Großteil der konsumierten Energie wird hierbei zur Beheizung des Wohnraums (74 Prozent) und zur Warmwasserbereitung (11 Prozent) genutzt. Die dezentrale Erzeugung von Wärme in Wohngebäuden ist angesichts des bestehenden Emissionshandelssystem der EU (EU ETS) von besonderer Bedeutung für zukünftige Klimapolitik. Denn CO2-Emissionen, die bei der dezentralen Wärmeerzeugung entstehen, sind, anders als die im Kraftwerk bei der Produktion von Strom und Fernwärme anfallenden Emissionen, nicht durch das EU ETS erfasst. Maßnahmen zur Einsparung von Wärmeenergie in Wohngebäuden haben deshalb das Potential, tatsächlich klimarelevante CO2-Emissionen zu vermeiden - und diese nicht nur in andere Sektoren zu verlagern. In Anbetracht einer jährlichen Sanierungsrate von ca. ein bis zwei Prozent gibt es durchaus ein beträchtliches Einsparpotential in diesem Sektor. Allerdings werden Sanierungswilligen in Deutschland derzeit bestimmte Standards vorgeschrieben, und somit deren individuelle Präferenzen ignoriert. Um mehr über die Präferenzen von Hauseigentümern bezüglich Heiz- und Dämmtechnologien herauszufinden, haben wir deutschlandweit ein sog. choice ex-periment zum Thema energetische Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Die erhobene Stichprobe besteht ausschließlich aus selbstnutzenden Eigentümern von Einfamilien-, Zweifamilien- und Reihenhäusern. Im Rahmen des Experiments wurden die Teilnehmer jeweils vor die hypothetische Wahl zwischen einem modernen Heizsystem und einer verbesserten Wärmedämmung für ihr Haus gestellt. Im Gegensatz zu früheren Studien haben wir neben den Kostenvorteilen auch die mit einer energetischen Sanierung einhergehenden Umweltvorteile explizit einbezogen. Es zeigt sich insbesondere, dass Umweltvorteile die Wahl eines Heizsystems positiv beeinflussen, hinsichtlich Dämmsystemen jedoch keine Rolle spielen. Darüber hinaus leiten wir aus den beobachteten Wahlentscheidungen beträchtliche Zahlungsbereitschaften für vermiedene CO2-Emissionen ab. Wir kommen daher zu dem Schluss, dass Deutschlands Hauseigentümer grundsätzlich dazu bereit sind, ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen. Allerdings bestehen in der Realität eine Reihe von Unsicherheiten und Intransparenzen, die Investitionen in energieeffziente Technologien verhindern. Diese wurden im Experiment ausgeblendet. Unsere Ergebnisse legen daher nahe, dass die Politik in Zukunft verstärkt versuchen sollte, existierende Informationsasymmetrien und damit verbundene Unsicherheiten abzubauen, statt weitere und strengere Standards einzuführen.

Schlagworte

Choice experiment; CO2 emissions; Energy effciency; Energy saving; Mixed logit; Residential buildings; Willingness to pay