Im Mittelpunkt der Diskussion um die Reform der Gemein-sa-men Marktordnung für Bananen (GMOB) standen zuerst einerseits Modelle, die ausschließlich auf einer Differenzierung der Zolltarife basieren und andererseits Modelle, die eine Kombination von Zolltarifen und Mengenkontingentierung (Quoten) darstellen. Aus GATT-Sicht sind tarifäre Maßnahmen grundsätzlich zu bevorzugen, da sie theoretisch den geringsten Eingriff in das Marktgeschehen darstellen. Aber auch eine Restriktion der Importmengen schlägt sich theoretisch - ebenfalls wie ein Zoll - in eine Preiserhöhung dieser Güter nieder. Beide Maßnahmen wirken schließlich durch eine Veränderung der Nachfrage aufgrund einer intendierten Veränderung der Preisrelationen. Daher liegt aus ökonomischer Sicht der Hauptunterschied zwischen beiden Maßnahmen (Zölle und Quoten) weniger in ihrer Allokationwirkung (Markteffizienz) als in der Verteilungsproblematik, die sie erzeugen. Umwelt- und entwicklungspolitische Gruppen forderten in der Diskussion um die GMOB-Reform den EU-Ministerrat auf, ein GATT-konformes, faires Handelsregime in den Bananenmarkt zu etabliert, das eine gerechte Verteilung der Wohlfahrtseffekte des Handels sicherstellt und die Interessen der Kleinproduzenten in Entwicklungsländern schützt. Reformvorschläge, die auf traditionellen Handelsinstrumenten basieren, wie der Vorschlag der EU-Kommission, der eine Zollkontingent-Lösung darstellt, und das von den USA präferierte "Tariff-only"-System, wurden kontrovers diskutiert. Im Laufe des Diskussionsprozesses rückten weitere, innovative Reformvorschläge, wie die Einführung eines Internationalen Labels sowie die Versteigerung von Importlizenzen, immer stärker in den Vordergrund der Debatte. Diese Studie stellt durch eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansätze Klarheit darüber her, mit welchem GMOB-Modell sich die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung in den bananenexportierenden Ländern am besten verwirklichen lassen. Die Ergebnisse der hier vorgenommenen Bewertung von Handelsregimen aus der Sicht einer nachhaltigen Entwicklung können so zusammengefaßt werden:

  • Für eine reine Zollösung sprechen im Prinzip vor allem ökonomische Kriterien; sie wäre im Bananenmarkt im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung jedoch nur zielgerecht, wenn Handelsrestriktionen bzw. Tarifdifferenzierungen aufgrund von sozialen und ökologischen Standards GATT-zulässig wären.
  • Quotenlösungen weisen zwar aus entwicklungspolitischer Sicht kurzfristig Vorteile auf, doch sprechen auch wichtige Argumente gegen eine Quotenregelung. Eine Quotenlösung sollte grundsätzlich als Übergangslösung verstanden werden. Um den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung nicht zu widersprechen, sollte bei einem Quotenmodell die Quotenallokation sicherstellen, daß die Produzentenrente möglichst vollständig in den Händen der Produzenten bleibt und nicht in die EU transferiert wird.
  • Die Modelle "Versteigerung von Importlizenzen" und "Internationales Label" entsprechen am besten den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung.

Theoretisch stellt ein Verteilungssystem von Importlizenzen auf der Basis eines Auktionsverfahrens eine marktorientierte Alternative zum "grandfathering"-System dar. Die Versteigerung von Importlizenzen erlaubt die Feststellung der realen Quotenrente und die Lenkung der entsprechenden Einnahmen in die Staatskasse. Um einige der "typischen" Risiken von Auktionen zu vermeiden und gleichzeitig die Interessen der kleinen Produzenten in den Exportländern besser als bisher zu berücksichtigen, wurde in dieser Studie ein alternativer Lösungsansatz auf der Basis einer "single unit"-Versteigerung von Importlizenzen dargestellt. Gegenstand der Versteigerung sind in diesem Vorschlag die einzelnen Angebote der Produzenten (Auktionseinheiten). Da das Modell explizit die Interessen der kleinen Produzenten berücksichtigt und kurzfristig am ehesten umgesetzt werden könnte, stellt es auch eine praktikable, auf andere Güter übertragbare Lösung für den fairen Handel mit Agrarerzeugnissen aus Entwicklungsländern dar.