Ein Vielzahl überzeugender empirischer Arbeiten zeigt, dass die Ausgestaltung von Unternehmenssteuersystemen das Volumen von Unternehmensinvestitionen, und damit die Quantität unternehmerischer Aktivität, beeinflusst. Ziel unserer Studie ist es am Beispiel der Ansiedelungsentscheidung für Forschungs- und Entwicklungs- (F&E-) aktivitäten zu untersuchen, inwieweit Steuerinstrumente auch die Qualität von Projekten und Vermögenswerten, beispielsweise den Innovationsgehalt und den ökonomischen Wert von Unternehmensinvestitionen, determinieren.

Zur Ableitung empirischer testbarer Hypothesen wird ein einfaches theoretisches Modell entwickelt, in dem eine multinationale Gruppe über die Lokation von heterogenen F&E Projekten entscheidet. Da Einkommen aus F&E Tätigkeit der Einkommenssteuer unterliegt, hat die Firma einen Anreiz, Projekte mit überdurchschnittlicher Qualität, d.h. überdurchschnittlichem Einkommenspotenzial und damit Innovationsgrad, in Niedrigsteuerländern anzusiedeln. Ein analoger positiver Selektionseffekt findet sich hingegen nicht für F&E Anreize, die als Steuergutschrift oder über Abschreibungsregeln ausgestaltet sind, da ihr Wert ausschließlich über die Höhe der F&E Ausgaben (nicht über die Höhe der Einnahmen) determiniert ist.

Die abgeleiteten Hypothesen werden auf Basis von Paneldaten zu Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt zwischen 1995 und 2007 getestet, die mit Firmendaten und Informationen zur Ausgestaltung nationaler Steuersysteme und F&E Anreize in Europa verbunden werden. Um die Qualität von F&E Projekten zu bestimmen, wird zudem über eine Faktoranalyse ein "Qualitätsindex" abgeleitet, der Informationen zu Patentzitationen, Familiengröe und Anzahl der Industrieklassen berücksichtigt. Die Ergebnisse der Analyse suggerieren, dass niedrige Steuersätze auf Patenteinkommen in der Tat eine positive Selektion werthaltiger Projekte (und damit hochwertigen Knowhows und einer hohen steuerlichen Bemessungsgrundlage) induzieren. Der Effekt ist statistisch signifikant und ökonomisch relevant. Die Erhöhung des tariflichen Steuersatzes auf Einkünfte und Gewinne aus Patenten um 10 Prozentpunkte reduziert die gemessene Qualität der Patente im Durchschnitt um etwa 5,6%. Wie von der theoretischen Analyse vorhergesagt, findet sich hingegen kein statistisch signifikanter Qualitäts-Selektionseffekt in Bezug auf Förderungmaßnahmen, die bei den Ausgaben für F&E Projekte ansetzen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Steuerpolitik den Innovationsgehalt von F&E Aktivitäten beeinflusst. Verschiedene Steuerinstrumente wirken allerdings unterschiedlich auf die Qualität der attrahierten F&E-Projekte. Während eine Senkung der Ertragsteuern einen merklich positiven Effekt auf die Qualität der angezogenen Projekte hat, gilt dies nicht für Steuergutschriften oder generöse steuerliche Abzugsmöglichkeiten von F&E Kosten.

Autoren

Ernst, Christof
Richter, Katharina
Riedel, Nadine

Schlagworte

corporate taxation, patent quality, micro data