Freier Wettbewerb auf Märkten ist eines der wichtigen Ziele der Wettbewerbspolitik. Eine Gefahr für diesen freien Wettbewerb sind Kartelle. Wettbewerbsbehörden setzen zunehmend auf die Kronzeugenregelung, um Kartelle zu entdecken und zu destabilisieren. Solche Programme wurden in den frühen neunziger Jahren eingeführt oder reformiert (USA 1993, Europäische Union 1996). Diese Programme geben Kartellmitgliedern die Möglichkeit eine Kartellstrafe zu umgehen oder zumindest signifikant zu verringern, indem sie ein Kartell anzeigen. Die Wirksamkeit der Kronzeugenregelung als effektives Werkzeug zur Kartellerkennung und Destabilisierung wurde in der theoretischen Literatur weitgehend bestätigt. Es sind jedoch auch gegenteilige Effekte möglich. Zum Beispiel ist es möglich, dass die Einführung der Kronzeugenregelung die erwarteten Kartellstrafen insgesamt senkt und somit die Bildung von Kartellen stimuliert. Die empirische Literatur ist bislang unschlüssig über die Effektivität der Kronzeugenreglung. Es ist nicht klar, ob ein möglicher Erfolg der Kronzeugenregelung, gemessen durch mehr entdeckte Kartelle, eine effizientere Verfolgung oder nur eine größere Basis an existierenden Kartellen darstellt. Dieses Papier versucht diese noch offene Frage zu beantworten. Hierbei wird die Effizienz der Kronzeugenreglung empirisch anhand des direkten Einflusses auf die Wettbewerbsintensität gemessen. Als weit verbreitetes Maß der Wettbewerbsintensität dient die Preiskostenmarge. Ökonometrische Schätzungen auf Basis von OECD Daten für 23 Länder und einen Zeitraum von 20 Jahren, zeigen, positive und signifikante Effekte der Kronzeugenregelung für die Wettbewerbsintensität. Daraus folgt, dass die Kronzeugenreglung ein effektives Mittel zum Aufdecken und Destabilisieren von Kartellen ist.

Schlagworte

Cartel, Antitrust, Leniency Program