Bei ihrem Treffen in London haben die G7-Finanzminister beschlossen, die Einführung eines Mindeststeuersatzes für große Unternehmen in Höhe von 15 Prozent weltweit anzustreben. Außerdem sollen die größten und profitabelsten Unternehmen Teile ihrer Umsätze künftig dort versteuern, wo sie sie erlösen. Bislang können Konzerne Gewinne verschieben und so einer Besteuerung in Ländern mit höherem Steuersatz entgehen. Diese Steuer-Pläne kommentiert Prof. Dr. Christoph Spengel, Steuerexperte von ZEW Mannheim und Universität Mannheim:

Prof. Christoph Spengel begrüßt einheitliche, internationale Standards in der Steuerpolitik.
Die G7 Finanzminister streben die Einführung eines weltweiten Mindeststeuersatzes für große Unternehmen in Höhe von 15 Prozent an.

„Mit ihrer politischen Absichtserklärung haben die Finanzminister der G7 ein Signal gesetzt, die aktuell von fast 140 Ländern diskutierte weltweite Reform der Unternehmensbesteuerung zu unterstützen. Es ist sehr zu begrüßen, einheitliche internationale Standards in der Steuerpolitik zu suchen und nationale Alleingänge, wie beispielsweise die Digitalsteuer in Frankreich oder Italien, zu verhindern. Bis zum Erreichen einer globalen Einigung werden allerdings noch viele kontroverse und komplexe Details zu klären sein. Die Ausgestaltung dieser Details, beispielsweise nach welchen Vorschriften die Bemessungsgrundlage ermittelt wird, entscheidet im Wesentlichen welche Unternehmen von der Reform getroffen werden.

Eine konsequente Umsetzung der globalen Mindeststeuer könnte tatsächlich die Attraktivität der Verlagerung von Einkommen in Niedrigsteuerländer verringern. Allerdings nur, wenn weltweit alle Länder in den Konsens einwilligen. Es bestehen hohe Anreize für Unternehmen ihren Sitz in ein Land zu verlegen, das die globalen Gewinne nicht auf den Mindeststeuersatz anheben würde. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Reformvorschläge die Komplexität der Unternehmensbesteuerung erhöhen und unnötige Kosten für Unternehmen und die Finanzverwaltungen produzieren.

Als bereits existierendes Mittel zur Besteuerung des Konsums in Marktstaaten wird die Rolle der Mehrwertsteuer in der aktuellen politischen Diskussion erstaunlicherweise kaum berücksichtigt. Dabei stehen Milliarden an Steuereinnahmen auf dem Spiel, wenn diese nicht angemessen erhoben wird. Eine gründliche Anpassung des Mehrwertsteuerrahmens und die Durchsetzung der Mehrwertsteuer auf digitale Dienstleistungen könnten entscheidend sein, um Steuereinnahmen in den EU-Mitgliedstaaten zu generieren und zu schützen.“

Eine eingehende Analyse der OECD-Vorschläge für eine weltweite Reform der Unternehmensbesteuerung finden Sie im ZEW policy brief Nr. 20-01

Datum

07.06.2021

Kategorie

Dateien zum Download

Kontakt

Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

sabine.elbert@zew.de