Die Große Koalition hat sich auf die Verlängerung des Kurzarbeitergelds geeinigt. Dieses soll wegen der Coronakrise bis Ende Dezember 2021 und damit auf 24 Monate verlängert werden. Prof. Dr. Sebastian Siegloch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Soziale Sicherung und Verteilung“, nimmt dazu Stellung:

ZEW-Mitarbeiter Prof. Dr. Sebastian Siegloch zur Verlängerung des Kurzarbeitergeldes.
Prof. Dr. Sebastian Siegloch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Soziale Sicherung und Verteilung“, bewertet die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes zu diesem Zeitpunkt als Fehler.

„Das Instrument des Kurzarbeitergelds sollte eingesetzt werden, um in zeitlich begrenzten Krisen Beschäftigung zu sichern, Einkommen zu stabilisieren und ein schnelles Hochfahren der Wirtschaft nach der Krise zu ermöglichen. Deswegen hat das Kurzarbeitergeld in der aktuellen Krise bisher so gut gewirkt: Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass das Kurzarbeitergeld in den ersten Monaten der Corona-Krise zielgenau bei den Unternehmen angekommen ist, die besonders von der Krise getroffen wurden. Auch in der Finanzkrise hat es uns sehr geholfen.

Trotzdem ist es ein Fehler, das Kurzarbeitergeld zu diesem Zeitpunkt und in diesem Maße auszuweiten. Konkret besteht die Gefahr, dass Unternehmen, die bereits vor der Corona-Krise nicht mehr wettbewerbsfähig waren, künstlich am Leben erhalten werden. Hierfür wurde der unglückliche Begriff der Zombie-Firmen geprägt.

Derartige Mitnahmeeffekte sind normal und verschmerzbar, sofern die positiven Wirkungen der Maßnahme überwiegen. Es kommt also immer zu einer Abwägung zwischen Nutzen und Kosten. Und genau das ist bei der aktuellen Entscheidung das Problem. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wie das Verhältnis von Nutzen und Kosten des Kurzarbeitergeldes im kommenden Jahr sein wird, legen uns aber schon fest. Der Zeitpunkt der Verlängerung ist daher unnötig früh und die Verlängerung ist unnötig lang. Allerdings gilt das gleiche Argument ebenso für die vehementen Kritiker der Verlängerung: Auch ein definitiver Stopp des Kurzarbeitergeldes im März 2021 ist schlecht begründet.

Wir müssen in der Krise weiter auf Sicht fahren, und das den Menschen gut erklären. Sollte am Anfang des Jahres ein Ende der Krise in Sicht, müssen die teuren staatlichen Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld zurückgefahren werden. Das sind wir den künftigen Generationen schuldig. Stecken wir zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Krise, halte ich eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes über den März hinaus für sinnvoll. Allerdings sollten wir dann im Lichte der wirtschaftlichen Entwicklung bei der Höhe der Leistungen und der Zielgenauigkeit hinsichtlich der betroffenen Branchen nachjustieren.“

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27.08.2020

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