Die Einführung einer Steuer auf Transaktionen an den Devisenmärkten vermag es nicht, die Währungsschwankungen zu unterdrücken, die mit flexiblen Wechselkursen einhergehen.

Diese Position vertritt in einer Sonderfrage im Rahmen des monatlichen ZEW-Finanzmarkttests die große Mehrheit der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, befragten 279 Finanzanalysten. Gefragt nach den Wirkungen einer solchen Steuer, die erstmals in den Siebzigerjahren von dem amerikanischen Ökonomen James Tobin in die Diskussion eingebracht wurde, sagen knapp 60 Prozent der Analysten voraus, dass eine Tobin-Steuer die Volatilität der Wechselkurse allenfalls wenig beeinflussen würde. Ein weiteres Drittel der Experten sieht sogar überhaupt keinen dämpfenden Einfluss auf die Wechselkursschwankungen.

Eine Rolle bei der Reduzierung der Schwankungen könnte jedoch die Höhe des Steuersatzes spielen. Auch das Argument der Befürworter der Tobin-Steuer, Währungskrisen in Zukunft auf diese Weise verhindern zu können, lassen die Finanzexperten nicht gelten: Zwei Drittel von ihnen sind der Ansicht, dass eine Tobin-Steuer dazu nicht geeignet sei. Denn wenn es zu einer Währungskrise komme, seien die Gewinnchancen bei einer Wette gegen die Währung ungleich größer als die Verluste durch einen geringen Steuersatz.

Ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt an dem Konzept der Tobin-Steuer ist ihre mangelnde Durchsetzbarkeit. Die Steuer müsste global eingeführt werden, da der Devisenhandel sich ansonsten lediglich verlagern würde, meinen die einen. Andere wiederum sind der Ansicht, es reiche aus, die Steuer nur in Europa einzuführen, da der Devisenhandel zu bestimmten Zeiten fast ausschließlich in Europa stattfinde. Die Meinung der vom ZEW befragten Experten in dieser Frage ist eindeutig: 92 von ihnen glauben nicht an die Durchsetzbarkeit einer solchen Steuer, egal ob weltweit oder nur in Europa.

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Datum

02.05.2002

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