Der seit Mitte 1996 anhaltende Aufschwung bei den unternehmensnahen Dienstleistern hat sich im ersten Quartal 1999 abgeschwächt. Bereits Ende 1998 hatte sich eine Eintrübung der Konjunktur angekündigt. Das saisonbereinigte, vierteljährliche Umsatzwachstum beträgt im ersten Quartal 0,9 Prozent und liegt damit unter dem Wachstum des Vorjahres- und des Vorquartales: Im ersten Quartal 1998 wurde ein Wachstum von 1,2 Prozent erreicht, im letzten Quartal 1998 betrug es 1,3 Prozent.

Die aktuelle Konjunkturabkühlung bei den unternehmensnahen Dienstleistern ist vor allem Folge einer abnehmenden Nachfrage, die ihrerseits durch die sich abschwächende Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe verursacht wird. Die Konjunkturabkühlung bei den unternehmensnahen Dienstleistern bleibt bislang noch ohne Auswirkungen auf die Personalpolitik. Auch im ersten Quartal 1999 haben wieder mehr Unternehmen Personal eingestellt als entlassen. Nach Einschätzung von Professor Wolfgang Franz, Arbeitsmarktexperte und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, liegt dies hauptsächlich am Fachkräftemangel vor allem bei den EDV-Dienstleistern und Unternehmensberatern. Die unternehmensnahen Dienstleister versuchten offenbar, zunächst Anpassungen bei den Arbeitszeiten vorzunehmen. Ebenfalls bedingt durch einen Mangel an Fachkräften haben gerade diese beiden Branchen ihr Angebot an Ausbildungsplätzen ausgeweitet. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern insgesamt ist der Anteil an ausbildenden Firmen seit 1996 deutlich gestiegen. Diese Ergebnisse gehen aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das ZEW in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform, Neuss, in März und April 1999 durchgeführt hat. Zum Wirtschaftszweig unternehmensnahe Dienstleistungen zählen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Architekten, technische Planer, Kfz-Vermieter, Maschinenvermieter, Speditions- und Logistikunternehmen, EDV-Dienstleister, Werbeagenturen sowie Unternehmen der Abfallwirtschaft.

Ausführliche Hintergrundinformationen

Nachdem die unternehmensnahen Dienstleister ihrer Nachfragesituation noch Mitte 1998 Höchstnoten gegeben hatten, war sie im letzten Quartal 1998 erstmals seit dem dritten Quartal 1996 gefallen. Diese Entwicklung hat sich nun fortgesetzt. Ursache für die zurückgehende Nachfrage bei den unternehmensnahen Dienstleistern ist die schwache Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe. Das Verarbeitende Gewerbe leidet zur Zeit unter einem Rückgang der Auftragseingänge sowohl aus dem Aus- als auch aus dem Inland. Die weiter verbesserte Konsumnachfrage kann hier noch keinen Ausgleich schaffen. Neben Nachfrage und Umsätzen werden im ersten Quartal 1999 auch Preise, Erträge und Personalbestand von den unternehmensnahen Dienstleistern saisonbereinigt pessimistischer beurteilt als in den Vorquartalen. Die Ertragslage wird sogar zum ersten Mal seit Ende 1996 mehrheitlich negativ eingeschätzt. Wenngleich ein leichter Abwärtstrend auszumachen ist, haben auch im ersten Quartal 1999 wieder mehr Firmen Personal eingestellt als entlassen.

Kurzfristig keine Verbesserung

Mit einer Rückkehr zu den hohen Wachstumsraten der Jahre 1997 und 1998 ist bei den unternehmensnahen Dienstleistern kurzfristig nicht zu rechnen, denn die Erwartungen der Branche für das zweite Quartal 1999 sind trübe. Die unternehmensnahen Dienstleister erwarten bei Umsatz, Nachfrage, Preisen und Ertrag eine Verschlechterung. Die weitere Konjunkturabkühlung wird aber nach Einschätzung der unternehmensnahen Dienstleister ohne unmittelbare Auswirkung auf die Personalpolitik bleiben. Nachdem es vor allem bei den EDV-Dienstleistern und Unternehmensberatern zu einem Mangel an Fachpersonal gekommen ist, versuchen die unternehmensnahen Dienstleister wohl zunächst, Anpassungen bei den Arbeitszeiten vorzunehmen und die Zahl der Überstunden herunterzufahren. Nach wie vor bleibt die konjunkturelle Situation der unternehmensnahen Dienstleister in Ost- und Westdeutschland gespalten. Die unternehmensnahen Dienstleister aus den alten Ländern beurteilen ihre konjunkturelle Lage wesentlich besser als ihre Konkurrenten aus Ostdeutschland. Im ersten Quartal 1999 hat sich die Einschätzung der konjunkturellen Lage in Ost und West jedoch angenähert. Während die westdeutschen unternehmensnahen Dienstleister eine Verschlechterung der konjunkturellen Situation verspüren, hat sich die Lage in Ostdeutschland stabilisiert. Vor allem scheint der Personalabbau dort zum Stillstand gekommen zu sein. Mit einem grundlegenden Aufschwung ist bei den unternehmensnahen Dienstleistern in den neuen Ländern 1999 aber noch nicht zu rechnen. Noch immer ist die ostdeutsche Wirtschaft stark abhängig vom Baugewerbe, bei dem nur für Westdeutschland in diesem Jahr mit einem Aufschwung gerechnet wird.

Lage bei EDV-Dienstleistung und Unternehmensberatung leicht verschlechtert

Die konjunkturelle Eintrübung bei den unternehmensnahen Dienstleistern wird auch durch eine Konjunkturdelle bei den Boombranchen der letzten Jahre, den EDV-Dienstleistern und den Unternehmensberatern, verursacht. Zwar wird die konjunkturelle Situation in diesen beiden Branchen weiterhin als gut eingeschätzt, das starke Wachstum hat sich nunmehr aber etwas abgeschwächt. Der Grund dafür ist, daß die Sonderkonjunktur durch die Einführung des Euros und der Jahrtausendumstellung langsam ausläuft. Die Nachfrage nach Standardsoftwarelösungen und deren Implementierung sowie nach der Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien bleibt aber ungebrochen. EDV-Dienstleister und Unternehmensberater werden deshalb auch weiter die am stärksten wachsenden Branchen bei den unternehmensnahen Dienstleistern bleiben. Ganz im Gegensatz dazu entwickelt sich die Abfall- und Abwasserbranche immer weiter zum Sorgenkind der unternehmensnahen Dienstleister. Die Konjunktur hat sich im ersten Quartal 1999 weiter abgekühlt. Die Branche hat mit erheblichen Überkapazitäten zu kämpfen. Als Folge der schwachen Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe beurteilen die Fahrzeugvermieter und Spediteure nach zuletzt guten Einschätzungen ihre Lage pessimistischer. Ein Ende des lang anhaltenden Abschwungs ist hingegen bei den technischen Planern auszumachen. Sie profitieren von der langsam anziehenden Baukonjunktur in Westdeutschland. Bei den Architekten kommt die Konjunkturlokomotive jedoch noch nicht so recht in Schwung.

Unternehmensnahe Dienstleister bilden mehr aus

In einer zusätzlichen Befragung durch ZEW und Creditreform zeigte sich, daß die Ausbildungsbereitschaft der unternehmensnahen Dienstleister seit 1996 gestiegen ist. Zwischen 1996 und 1999 hat sich der Anteil an unternehmensnahen Dienstleistern, der in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausbildet, um 5,8 Prozent erhöht. In diesem Jahr bilden 65,4 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister aus. Auch der Anteil von Auszubildenden an den Gesamtbeschäftigten hat sich seit 1996 erhöht. Die gute konjunkturelle Entwicklung und der gestiegene Bedarf an Fachkräften schlagen sich hier positiv nieder. Auch für die nächsten drei Jahren rechnen die unternehmensnahen Dienstleister mehrheitlich mit steigenden Ausbildungszahlen. Der gestiegenen Nachfrage nach Auszubildenden steht offenbar auch ein Angebot an geeigneten Bewerbern gegenüber. Nur 14,3 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister hatten Schwierigkeiten, geeignete Bewerber für freie Ausbildungsplätze zu finden. Vor allem Maschinenvermieter sowie EDV-Dienstleister und Unternehmensberater gaben an, bei der Besetzung von freien Ausbildungsplätzen Probleme gehabt zu haben. Der Mangel an EDV-Fachkräften und möglicherweise auch die Einführung neuer Berufsbilder Mitte 1997 hat bei den EDV-Dienstleistern dazu geführt, daß sich die Ausbildungsbereitschaft dieser Branche seit 1996 spürbar erhöht hat. Nur Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie Spediteure bilden nunmehr häufiger aus als EDV-Dienstleister. Am wenigsten ausgebildet wird bei Fahrzeug- und Maschinenvermietern. Der lang anhaltende konjunkturelle Abwärtstrend bei den Architekten und technischen Planern schlägt sich in deutlich verringerten Ausbildungsaktivitäten dieser beiden Branchen nieder.

Weiterbildungsbedarf unverändert

Während die unternehmensnahen Dienstleister ihre Ausbildungsaktivitäten in den vergangenen Jahren verstärkten, haben sich ihre Weiterbildungsanstrengungen kaum verändert. 72,6 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister sehen bei ihren Mitarbeitern Weiterbildungsbedarf, der über die berufliche Erstausbildung hinausgeht. Den höchsten Weiterbildungsbedarf verzeichnen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Fast alle Unternehmen der beiden Branchen stufen Weiterbildungsmaßnahmen als wichtig ein. Hohen Bedarf an Weiterbildung haben auch EDV-Dienstleister sowie Unternehmen der Abfall- und Abwasserwirtschaft. Vergleichsweise wenig Weiterbildungsaktivitäten sind bei Fahrzeugvermietern und Architekten zu finden.

Gute Erstausbildung Grundlage von Weiterbildung

Eine fundierte berufliche Erstausbildung bleibt bei den unternehmensnahen Dienstleistern Voraussetzung für Weiterbildungsmaßnahmen. Mehr als die Hälfte der unternehmensnahen Dienstleister führt Weiterbildung durch, nachdem die Mitarbeiter ihre Berufsausbildung abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt haben. Besonders Unternehmensberater, Architekten, technische Planer, Maschinenvermieter sowie Unternehmen der Abfall- und Abwasserwirtschaft machen Berufserfahrung zur Voraussetzung von Weiterbildung. Ein Viertel der unternehmensnahen Dienstleister bietet Weiterbildungsmaßnahmen bereits im Anschluß an die Erstausbildung an. Daß die Ausbildungsvorschriften nicht immer mit den neuen technischen und gesetzlichen Entwicklungen Schritt halten, wird durch den relativ hohen Anteil an unternehmensnahen Dienstleistern sichtbar, die begleitend zur Erstausbildung weiterbilden. Mehr als ein Drittel der Unternehmen bietet schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Firmenzugehörigkeit Weiterbildungsmaßnahmen an. Vor allem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bilden die jungen Mitarbeiter bereits begleitend zu deren Erstausbildung weiter. Die Weiterbildungsmaßnahmen der unternehmensnahen Dienstleister zielen sowohl auf eine Erweiterung der Erstausbildung als auch auf den Eintritt in ein neues Tätigkeitsfeld ab. Fast die Hälfte der Unternehmen gibt an, daß ihre Weiterbildungsmaßnahmen auf diese beiden Gründe für Weiterbildung ausgerichtet sind. Weiterbildung als Erweiterung der Erstausbildung allein betreibt ein Fünftel der unternehmensnahen Dienstleister, der Eintritt in ein neues Tätigkeitsfeld steht bei 7,7 Prozent im Vordergrund. Wesentliche Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen unternehmensnahen Dienstleistern hinsichtlich ihrer Aus- und Weiterbildungsaktivitäten bestehen lediglich in der Ausbildungsbereitschaft. Unternehmensnahe Dienstleister aus den neuen Ländern sind eher bereit, Ausbildungsplätze anzubieten als ihre Konkurrenz aus Westdeutschland.

Berufsschulabsolventen dominieren unternehmensnahe Dienstleister

Vor dem Hintergrund der hohen Ausbildungsbereitschaft der unternehmensnahen Dienstleister überrascht es nicht, daß Mitarbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung mit 39,9 Prozent den höchsten Anteil an den Beschäftigten dieses Wirtschaftszweigs ausmachen. Vor allem Fahrzeug- und Maschinenvermieter sowie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer setzen Personal mit abgeschlossener Berufsausbildung ein. Fachschulabsolventen, die einen Anteil von elf Prozent an den Gesamtbeschäftigten ausmachen, sind bei der Werbewirtschaft sowie bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern besonders beliebt. Hochschulabsolventen mit naturwissenschaftlich-technischer Ausbildung machen einen hohen Anteil der Beschäftigten bei den Architekten und technischen Planern sowie der EDV-Dienstleister aus. Diese Berufsgruppe hat einen Anteil von 18,7 Prozent an den Gesamtbeschäftigten bei den unternehmensnahen Dienstleistern. Hochschulabsolventen mit wirtschafts-, sozial- oder geisteswissenschaftlichem Abschluß machen einen Anteil von 9,9 Prozent aus und werden vor allem von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sowie von Unternehmensberatern eingestellt. Mitarbeiter ohne formalen Berufsabschluß haben einen Beschäftigtenanteil von 13,5 Prozent. Sie finden vor allem bei Fahrzeugvermietern und bei Unternehmen der Abfallwirtschaft eine Anstellung.

Computer ersetzen Berufsschulabsolventen und Unqualifizierte

Der hohe Anteil an Personal mit abgeschlossener Berufsausbildung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade diese Gruppe von den Auswirkungen des technischen Fortschritts besonders betroffen ist. Denn Firmen, bei denen viele Arbeitsplätze mit einem PC ausgestattet sind, setzen relativ wenig Berufsschulabsolventen und Unqualifizierte ein. Statt dessen beschäftigen sie stärker Akademiker, vor allem naturwissenschaftlich-technischer Fachrichtung, und Fachschulabsolventen. Arbeitsmarktexperte Franz ist der Ansicht, daß der anhaltende Trend zur Automatisierung von Betriebsabläufen auch hier in Zukunft zu einer Verschlechterung der Beschäftigungssituation der Berufsschulabsolventen und Unqualifizierten führen wird. Bereits heute sind 73,6 Prozent der Arbeitsplätze bei den unternehmensnahen Dienstleistern mit einem PC ausgestattet.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Ulrich Kaiser, Telefon: 0621/1235-194,  E-Mail: kaiser@zew.de

 

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsbereiches Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim. Das ZEW wurde im Jahr 1990 in einer gemeinsamen Initiative der baden-württembergischen Landesregierung, der Landeskreditbank Baden-Württemberg und der Universität Mannheim gegründet. Die Forschungsausrichtung liegt im einzelwirtschaftlichen Bereich, der Branchenanalyse und der Ökonometrie. Rund 70 Wissenschaftler sind am ZEW in den Forschungsbereichen Internationale Finanzmärkte, Arbeitsmärkte, Industrieökonomik, Umweltökonomik und Unternehmensbesteuerung tätig. Im Forschungsbereich Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung beschäftigen sich 22 Wissenschaftler mit dem Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft, der Entwicklung von Märkten und Regionen sowie der Analyse des Dienstleistungssektors. Die Konjunkturumfrage von ZEW und Creditreform wird seit dem zweiten Quartal 1994 vierteljährlich durchgeführt. Ein repräsentativ ausgewählter Querschnitt von 4000 Unternehmen wird von ZEW und Creditreform seit dem zweiten Quartal 1994 vierteljährlich befragt. Die Stichprobe wird regelmäßig um Unternehmensneugründungen aufgefrischt.

Datum

20.04.1999

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