Unternehmensnahe Dienstleister: Keine weitere konjunkturelle Verbesserung

Forschung

Die konjunkturelle Situation bei den unternehmensnahen Dienstleistern ist im dritten Quartal 1998 auf hohem Niveau konstant geblieben. Lediglich die Einschätzung der Ertragslage hat sich im Vorjahresvergleich nochmals verbessert. Alle anderen Geschäftsfaktoren blieben sowohl gegenüber dem Vorjahresquartal als auch gegenüber dem Vorquartal unverändert. Damit hat es bei den unternehmensnahen Dienstleistern im zweiten Quartal in Folge keine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation gegeben. Die leichte Stagnation bei den unternehmensnahen Dienstleistern bleibt bislang ohne Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation bei den unternehmensnahen Dienstleistern. Vor allem hochqualifizierte Arbeitskräfte haben gute Aussichten auf einen Job. Unqualifizierte und Berufsschulabsolventen müssen hingegen häufiger um ihre Jobs fürchten. Deutlich wird auch, daß Prozeßinnovationen - also der Einsatz neuer oder wesentlich verbesserter Technologien - zu einer geringeren Nachfrage nach gering qualifiziertem Personal führen. Diese Ergebnisse gehen aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform, Neuss, im September 1998 durchgeführt hat. Zum Wirtschaftszweig unternehmensnahe Dienstleistungen zählen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Architekten, technische Planer, Kfz-Vermieter, Maschinenvermieter, Speditions- und Logistikunternehmen, EDV-Dienstleister, Werbeagenturen sowie Unternehmen der Abfallwirtschaft.

Ausführliche Hintergrundinformationen

Die beiden konjunkturellen Verschnaufpausen dieses und des vorigen Quartals sollten nicht als Vorboten einer konjunkturellen Wende bei den unternehmensnahen Dienstleistern gedeutet werden. Seit Mitte 1996 befindet sich dieser Wirtschaftszweig in einer kraftvollen Aufwärtsentwicklung. Die beiden Konjunkturdellen sind als Folge der teilweise noch schwachen Binnennachfrage zu sehen. Die erwartete nachhaltige gesamtwirtschaftliche Trendwende im gesamten Bundesgebiet ist noch nicht eingetreten. So haben zwar vor allem die Ausrüstungsinvestitionen deutlich zugenommen, der private Verbrauch bleibt jedoch immer noch ohne Schwung. Für das kommende Winterquartal rechnen die unternehmensnahen Dienstleister wieder mit mehr Wachstum: Umsatz-, Ertrags- und Preiserwartungen sind aufwärts gerichtet. Die Unternehmen der Branche gehen also von einem weiter anhaltenden Aufschwung aus.

Leichte Stagnation bei Umsatz und Nachfrage

Bisheriger Wachstumsmotor der unternehmensnahen Dienstleister war die Entwicklung der Nachfrage, die sich seit Anfang 1996 stetig aufwärts entwickelt hat. Im dritten Quartal 1998 hat sie sich nun etwas abgeschwächt, liegt aber immer noch über dem Wert des Vorjahresquartals. Auf hohem Niveau konstant geblieben ist die Beurteilung des Umsatzes. Die Ertragslage wurde deutlich besser eingeschätzt als noch im dritten Quartal 1997. Die positive Ertragslage schlägt sich seit dem letzten Frühjahr auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Zwar hat es im dritten Quartal 1998 keine weitere Verbesserung gegeben, doch haben auch diesmal wieder mehr Firmen Personal eingestellt als entlassen.

Lage in Ostdeutschland verbessert

Ein leichter Aufwärtstrend ist bei den unternehmensnahen Dienstleistern in Ostdeutschland zu erkennen. Die Einschätzungen von Umsatz und Ertrag haben sich im dritten Quartal 1998 verbessert. Die Mehrheit der unternehmensnahen Dienstleister aus den neuen Ländern sieht ihre wirtschaftliche Entwicklung aber immer noch überwiegend skeptisch. Die Beschäftigungsaussichten bleiben bei den unternehmensnahen Dienstleistern aus Ostdeutschland schlecht. Aufgrund der starken Abhängigkeit von der Baukonjunktur ist in den neuen Ländern keine anhaltende Erholung in Sicht. Die deutsche Baukonjunktur hat sich trotz verbesserter gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 1998 nicht erholt.

Abfallwirtschaft Sorgenkind

Wegen der lahmenden Baukonjunktur bleiben auch die Architekten und technischen Planer weiterhin die Sorgenkinder bei den unternehmensnahen Dienstleistern. Im Abwärtstrend befindet sich seit Anfang des Jahres auch die Abfallwirtschaft, die mit erheblichen Überkapazitäten zu kämpfen hat. Der durch die Jahrtausendumstellung und die Euro-Einführung verursachte Boom bei den EDV-Dienstleistern und Unternehmensberatern hält weiter an. Sehr positiv entwickeln sich auch Speditionen und Lagereien.

Schlechte Chancen für gering Qualifizierte

Von der zur Zeit günstigen Beschäftigungssituation bei den unternehmensnahen Dienstleistern profitieren vor allem Hochschulabsolventen. Weniger gefragt sind Unqualifizierte und Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Dank der günstigen konjunkturellen Situation haben die unternehmensnahen Dienstleister zwischen Herbst 1997 und Herbst 1998 auch bei den Unqualifizierten erstmals seit Bestehen der ZEW/Creditreform-Konjunkturumfrage häufiger eingestellt als entlassen. Zwischen 1995 und 1997 wurde vor allem im Bereich der gering Qualifizierten Personal abgebaut, während Hochschulabsolventen im gesamten Zeitraum Beschäftigungsgewinne verbuchen konnten. Die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der einzelnen Branchen des Wirtschaftszweiges unternehmensnahe Dienstleistungen zeigt sich auch bei den Beschäftigungsaussichten verschiedener Qualifikationen. So bauen Architekten und technische Planer überwiegend Personal aller Qualifikationen ab. Dies gilt auch für ostdeutsche unternehmensnahe Dienstleister. EDV-Dienstleister und Unternehmensberater suchen vor allem Hochschulabsolventen, während gering Qualifizierte nur im Speditionsgewerbe sowie bei Maschinen- und Fahrzeugvermietern gute Aussichten auf einen Job haben.

Beschäftigung und Innovation

Wie kommt es, daß sowohl gesamtwirtschaftlich als auch bei den unternehmensnahen Dienstleistern ein Trend zu immer höherer Qualifikation der Beschäftigten erkennbar ist? Viele Ökonomen gehen davon aus, daß Innovationen einen positiven Effekt auf die Nachfrage nach hoch qualifizierter Arbeit und einen negativen Effekt auf die Nachfrage nach gering qualifizierter Arbeit haben. Dieser Zusammenhang gilt vor allem bei Prozeßinnovationen, also für die Einführung neuer oder wesentlich verbesserter Technologien. Die ZEW/Creditreform-Konjunkturumfrage zeigt, daß Prozeßinnovationen auch bei den unternehmensnahen Dienstleistern zu einer verstärkten Nachfrage nach hoch qualifizierter Arbeit führen und einen negativen Effekt auf die Nachfrage nach geringer qualifiziertem Personal haben. Demgegenüber haben Produktinnovationen, also die Einführung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte, einen positiven Effekt auf den Personalbestand insgesamt. Offenbar führen Produktinnovationen zu einer Erhöhung der Nachfrage nach Dienstleistungen und somit zu einem höheren Beschäftigtenbestand aller Qualifikationsniveaus.

Verbreitung von Innovationen

Während im gesamten Dienstleistungsbereich nur etwa die Hälfte der Firmen innovativ tätig ist, haben rund 70 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister in den vergangenen zwölf Monaten eine Produktinnovation durchgeführt. Besonders aktiv waren hier EDV-Dienstleister und Unternehmensberater, während Architekten und technische Planer sich eher passiv verhalten haben. Noch weiter verbreitet als Produktinnovationen sind Prozeßinnovationen. Fast 80 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister haben solche Innovationen durchgeführt. Hier liegen Fahrzeugvermieter und die Abfallwirtschaft unter dem Durchschnitt, die übrigen Branchen unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht deutlich voneinander. In Hinblick auf die Innovationsaktivität bestehen keine Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern.

Verbreitung von PCs

Vor allem Prozeßinnovationen sind im Dienstleistungsbereich häufig mit dem Einsatz neuer Technologien, vor allem von EDV-Geräten, verbunden. 79 Prozent aller Arbeitsplätze sind bei den unternehmensnahen Dienstleistern mit einem PC ausgestattet. In den neuen Ländern sind es mit 64 Prozent sehr viel weniger als in den alten Ländern, wo sich an 80 Prozent der Arbeitsplätze ein PC befindet. Bei den EDV-Dienstleistern, bei Unternehmensberatern, bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sowie in der Werbewirtschaft sind mehr als 85 Prozent der Arbeitsplätze mit einem PC ausgerüstet. Das Schlußlicht bildet die Abfallwirtschaft mit einem Drittel PC-Arbeitsplätzen. Der Anteil wird zukünftig weiter steigen, denn fast zwei Drittel der unternehmensnahen Dienstleister wollen in den nächsten zwölf Monaten in weitere PC-Arbeitsplätze investieren. Angesichts der starken Verbreitung von Innovationen und des verstärkten Einsatzes von Informationstechnologien wird sich die Arbeistmarktsituation gering Qualifizierter weiter verschlechtern. Eine gute Ausbildung ist daher die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Ulrich Kaiser, Telefon: 0621/1235-134, E-Mail: kaiser@zew.de

 

Die Konjunkturumfrage von ZEW und Creditreform wird seit dem zweiten Quartal 1994 vierteljährlich durchgeführt. Die Stichprobe wird regelmäßig um Unternehmensneugründungen aufgefrischt. Die Ergebnisse der Umfrage werden im ZEW-Branchenreport Dienstleistungen veröffentlicht. Darüberhinaus bieten wir Ihnen als besonderen Service an, den Report im Internet unter der Adresse www.zew.de unter "ZEW aktuell" abzurufen.