Eine praxisorientierte Ausbildung verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, stärker als ein Hochschulstudium. Ein höherer Bildungsabschluss ist daher nicht immer die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Allerdings finden Hochschulabsolventen am schnellsten wieder aus Arbeitslosigkeit heraus.

Dies belegt eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, die den Zusammenhang zwischen Bildung und Arbeitslosigkeit in Deutschland im Zeitraum von 1997 bis 1999 untersucht.

Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist mit Abstand am höchsten für niedrig qualifizierte Arbeitnehmer ohne weitere nachschulische Ausbildung. Für Hochschulabsolventen ist das Risiko der Arbeitslosigkeit erheblich geringer als für niedrig qualifizierte Arbeitnehmer, jedoch höher als für Personen mit jeder Form von beruflicher Ausbildung. Dabei haben insbesondere Universitätsabsolventen ein hohes Risiko, arbeitslos zu werden; Fachhochschulabsolventen hingegen weniger. Arbeitnehmer mit niedriger beruflicher Ausbildung wie etwa einer Lehre haben ein minimal geringeres Risiko der Arbeitslosigkeit als Hochschulabsolventen. Das geringste Risiko haben Arbeitnehmer mit einer praxisorientierten höheren Berufsausbildung wie Meister und Fachwirte.

Die Studie zeigt weiterhin, dass die Wahrscheinlichkeit, als Arbeitsloser eine Beschäftigung zu finden, mit dem Ausbildungsniveau steigt. Die besten Chancen haben dabei Hochschulabsolventen. So bietet die praxisorientierte Ausbildung zwar den besten Schutz gegen Arbeitslosigkeit, jedoch sind die Chancen, wieder beschäftigt zu werden, für Hochschulabsolventen am größten. Arbeitnehmer mit Fachhochschulabschluss haben beim Wiedereintritt ins Berufsleben nur noch einen geringen Vorteil gegenüber Universitätsabsolventen.

Eine mögliche Erklärung für das geringe Risiko der Personen mit einer höheren Berufsausbildung, ihre Arbeit zu verlieren, ist der hohe Praxisbezug dieser Ausbildung. Sie ist in der Regel eng an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst. Jedoch ist die praxisorientierte Berufsausbildung wesentlich spezieller als jene an Hochschulen, die ein breiteres Wissen auch abseits des zu erlernenden Berufs vermitteln. Die dadurch gewonnene Flexibilität könnte der Grund sein, warum bei Hochschulabsolventen die Wahrscheinlichkeit, nach Arbeitslosigkeit wieder eine Anstellung zu finden, höher ist als bei beruflich Gebildeten.

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Dr. Charlotte Lauer, E-Mail: lauer@zew.de

Datum

12.08.2003

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Bildung

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