Zwar zählen 19 Prozent aller Ostdeutschen, die im Jahr 1990 25 Jahre und älter waren, zu den materiellen Verlierern der deutschen Wiedervereinigung: Sie erzielten für den Zeitraum von 1991 bis 1998 ein durchschnittlich geringeres Realeinkommen, als sie es bei Weiterbestehen der DDR hätten erwarten können. Allerdings übersteigen die Gesamtgewinne die Gesamtverluste um knapp das Zehnfache.

Dies ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, und der Freien Universität Berlin. In ihr ermittelten Wirtschaftswissenschaftler erstmals mit Hilfe eines Vergleichs der Realeinkommen die Gewinner und Verlierer der Wiedervereinigung in Ostdeutschland. Dazu verglichen sie das abgezinste, tatsächlich in der Bundesrepublik zwischen 1991 und 1998 kumulativ erzielte Einkommen von Ostdeutschen mit dem Einkommen, das die gleichen Personen bei Fortbestehen der DDR erzielt hätten. War die Differenz negativ, so entstand ein Einkommensverlust aus der Vereinigung.

Bei den verschiedenen Altersgruppen zeigen sich große Unterschiede. Der größte Anteil von Verlierern der deutschen Einheit findet sich mit etwa 28 Prozent in der Gruppe derjenigen, die 1990 zwischen 35 und 54 Jahre alt waren, also genau der Gruppe, die am stärksten von den geänderten Qualifikationsanforderungen des neuen Wirtschaftssystems betroffen ist. Hingegen ist bei nur einem Prozent der damals über 64-Jährigen ein Einkommensverlust auszumachen. Das Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich: Diese Altersgruppe erlebte den Zusammenbruch der Wirtschaft nicht mehr innerhalb ihrer Erwerbsphase. Stattdessen profitierte sie von der Einführung des westdeutschen Rentensystems.

Die Studie zeigt, dass sich die Mehrheit der Ostdeutschen, was ihr Realeinkommen anbelangt, durch die deutsche Vereinigung besser gestellt hat. Die Gewinne und Verluste sind jedoch ungleich verteilt.

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Prof. Dr. Miriam Beblo, E-Mail: beblo@zew.de

Prof. Irwin L. Collier, Ph.D., E-Mail: collier@wiwiss.fu-berlin.de

Thomas Knaus, E-Mail: knaustho@wiwiss.fu-berlin.de

Datum

28.06.2001

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Schlagworte

Ostdeutschland

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