Die Bundesministerien für Finanzen und für Arbeit und Soziales haben ein Eckpunktepapier vorgelegt, das die Voraussetzungen für einen höheren Mindestlohn schaffen soll. Prof. Dr. Sebastian Siegloch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs “Soziale Sicherung und Verteilung” am ZEW Mannheim erklärt dazu:

Prof. Dr. Sebastian Siegloch im Kommentar zur Mindestlohn-Erhöhung.
Prof. Dr. Sebastian Siegloch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Soziale Sicherung und Verteilung“, über den Mindestlohn und mögliche Folgen einer Erhöhung zu aktueller Zeit.

„Wir sollten uns einen höheren Mindestlohn leisten und können uns an die zwölf Euro heranwagen. Dies sollte aber schrittweise geschehen und vor allem erst dann, wenn die Krise überstanden ist und die Wirtschaft wieder anläuft. Ein solcher Anstieg  könnte die Arbeitslosenquote kurzfristig leicht erhöhen. Langfristig würde aber die Produktivität steigen und damit der negative Beschäftigungseffekt verschwinden, wie aktuelle Studien nahelegen. In der derzeitigen Phase mit einer von der Corona-Krise gebeutelten Wirtschaft wäre ein schneller Anstieg allerdings gefährlich – insbesondere in Sektoren wie der Gastronomie, wo Mindestlöhne gezahlt werden. Hier sollten die Beschäftigten anders unterstützt werden.

Mit der Erhöhung des Mindestlohns soll auch die Armut bekämpft werden. Studien zeigen jedoch, dass der Mindestlohn kein präzises Werkzeug ist, um auf Haushaltsebene etwas gegen Armut zu tun. Personen mit niedrigen Löhnen leben nicht nur in Haushalten mit geringem Einkommen, sondern auch in solchen mit höherem. Und auch dort, wo Geringverdienende in einkommensarmen Haushalten leben, wird ein höherer Mindestlohn nicht unbedingt die Armut lindern. Denn Bruttolohnerhöhungen kommen wegen des damit verbundenen Entzugs von Sozialleistungen nicht unbedingt in Gänze bei den Leuten an.“

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09.03.2021

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