Die Demokratisierung der DDR nach dem Mauerfall 1989 hat sich auf Gegner/innen und Befürworter/innen des politischen Systems der DDR unterschiedlich ausgewirkt. Ehemalige Gegner/innen – Teilnehmende an Kundgebungen der Friedlichen Revolution im Jahre 1989 und 1990 – sind nach dem Mauerfall im neuen demokratischen und marktwirtschaftlichen System deutlich zufriedener mit ihrem Leben als zuvor. Ganz anders hingegen ehemalige Befürworter/innen des alten Systems: Sie haben nach dem Mauerfall eine erheblich geringere Lebenszufriedenheit. Dies zeigt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim.

Foto eines Mauerabschnittes.
Die neue Studie aus dem ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“ mit dem Titel "Are the Supporters of Socialism the Losers of Capitalism? Conformism in East Germany and Transition Success" zur Demokratisierung und Auswirkung in der DDR nach dem Mauerfall.

Die Auswirkungen, die die veränderten Lebensumstände nach dem Mauerfall auf die beiden Bevölkerungsgruppen mitbringen, sind erheblich. „Die Lebenszufriedenheit von Gegner/innen des DDR-Systems verbesserte sich um mehr als einen halben Punkt auf einer Skala von null bis zehn. Dies ist vergleichbar mit dem Anstieg der Lebenszufriedenheit von Arbeitslosen, wenn sie eine neue Stelle finden“, sagt Studienautor Dr. Martin Lange, wissenschaftlicher Mitarbeiter im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“. Dagegen verloren die Befürworter/-innen des sozialistischen Regimes – Mitglieder der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Beschäftigte im staatlich überwachten X-Sektor – auf einer Skala von eins bis zehn fast einen ganzen Punkt. Dies entspricht etwa den Auswirkungen eines Jobverlusts.

Hinzukommt: Während die ehemaligen Gegner/innen im demokratischen, marktwirtschaftlichen Deutschland nach dem Mauerfall stabilere Beschäftigungsverhältnisse aufweisen und ihr Einkommen um fast acht Prozent im Vergleich zur unpolitischen Mehrheit der ehemaligen DDR-Bevölkerung steigt, ist eine solche Lohnprämie bei den ehemaligen Befürworter/innen des sozialistischen Systems nicht zu beobachten. Zudem sind sie im Erwerbsleben häufiger arbeitslos gemeldet. Die früheren Befürworter/innen des DDR-Regimes konnten demnach ihre wirtschaftlichen Privilegien aus dieser Zeit nicht in das wiedervereinigte Deutschland überführen.

Die unterschiedlichen Entwicklungen werden, wie die ZEW-Studie zeigt, nicht durch verschiedene Anpassungsstrategien auf dem Arbeitsmarkt, zum Beispiel mit Blick auf Weiterbildung, der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit oder dem Umzug nach Westdeutschland, von Gegner/innen und Befürworter/innen nach dem Mauerfall hervorgerufen. „Die Gründe für die Unterschiede scheinen vielmehr im Systemwechsel selbst und der damit einhergehenden Abschaffung von diskriminierenden Praktiken des DDR-Regimes gegen politische Gegner/innen zu liegen“, erläutert Lange.

Weiterhin zeigt die ZEW-Studie, dass Gegner/innen und Befürworter/innen des sozialistischen DDR-Regimes selbst Jahrzehnte nach dem Ende der DDR unterschiedliche politische Präferenzen aufweisen. Ehemalige Befürworter/innen wählen auch heute noch mit größerer Wahrscheinlichkeit Die Linke, die Nachfolgepartei der SED – ein Zeichen für den Fortbestand der politischen Ideologie bei Personen dieser Gruppe. Dies ist bei den ehemaligen Gegner/innen nicht der Fall. Sie tendieren eher dazu, die CDU zu wählen. Bei den anderen Parteien sind die Unterschiede weniger stark ausgeprägt.

Datum

17.05.2022

Kategorie

Dateien zum Download

Kontakt

Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

Sabine.Elbert@zew.de