Der ZEW-IDI, Stimmungsindikator für den Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft, fällt im ersten Quartal 2009 um 14,2 Punkte auf einen Wert von 39,9 Punkten. Er unterschreitet damit erstmals seit seiner Einführung die wichtige Grenze von 50 Punkten. Ein Wert des ZEW-IDI, der über dieser Grenze liegt, signalisiert eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal, ein Wert darunter eine Verschlechterung.

Der aktuelle Stand des ZEW-IDI bedeutet somit, dass die Dienstleister der Informationsgesellschaft ihre wirtschaftliche Situation im Vergleich zum vierten Quartal 2008 deutlich ungünstiger einschätzen. "Damit hat die Wirtschaftskrise jetzt auch die IKT- und wissensintensiven Dienstleister erreicht", sagt Jenny Meyer, Wissenschaftlerin am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim. Die Sicht auf die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal 2009 ist ebenfalls durch größeren Pessimismus geprägt. Allerdings fällt die Stimmungseintrübung hier deutlich schwächer aus als bei der aktuellen Lage. Grundlage des ZEW-IDI ist eine Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft, die das ZEW in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform, Neuss, im März 2009 durchgeführt hat (Einzelheiten zur Umfrage am Ende der Pressemitteilung).

Der Teilindikator, der die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage wiedergibt, ist für den gesamten Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft im Vergleich zum vierten Quartal 2008 um 21,5 Punkte zurückgegangen. Er liegt somit im ersten Quartal 2009 bei 34,8 Punkten. Der Teilindikator, der die Bewertung der Geschäftserwartungen für das zweite Quartal 2009 widerspiegelt, ist für den gesamten Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft im ersten Quartal 2009 um 6,4 Punkte auf 45,7 Punkte gesunken. Dieser Indikatorwert unterhalb der 50-Punkte-Grenze deutet darauf hin, dass die Unternehmen des Wirtschaftszweigs für das zweite Quartal 2009 mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation rechnen. Dabei ist die konjunkturelle Stimmung bei den IKT-Dienstleistern, zu denen Softwareunternehmen, IT-Dienste, der IKT-Handel und die Telekommunikationsdienstleister zählen, trüber als bei den wissensintensiven Dienstleistern. Zu den wissensintensiven Dienstleistern gehören Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung und Werbung.

In der Branche Software und IT-Dienste hat sich im ersten Quartal 2009 die Umsatz-, Ertrags- und Nachfragesituation im Vergleich zum Vorquartal deutlich verschlechtert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichten von einem Rückgang dieser Größen. Die Erwartungen hinsichtlich der Nachfrage wurden ebenfalls zurück genommen. Im ersten Quartal 2009 überwiegt der Anteil der Unternehmen, die mit einer sinkenden Nachfrage im zweiten Quartal 2009 rechnen, den Anteil der Unternehmen, die eine steigende Nachfrage erwarten, um 15,5 Punkte. Bei den IKT-Händlern hat sich die Umsatz-, Ertrags- und Nachfragelage im ersten Quartal 2009 ebenfalls verschlechtert. Die Mehrheit der IKT-Händler ist von sinkenden Umsätzen und Erträgen sowie einer rückläufigen Nachfrage betroffen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet auch für das zweite Quartal 2009 rückläufige Erträge und eine geringere Nachfrage.

Die wirtschaftliche Lage bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ist im ersten Quartal 2009 stabil. Im Vergleich zum vierten Quartal 2008 ist der Anteil der Unternehmen, die einen Anstieg von Umsatz, Ertrag und Nachfrage melden, zwar leicht gesunken, die Mehrheit der Unternehmen berichtet jedoch von einer stabilen Entwicklung dieser Größen. Die Unternehmensberater scheinen momentan noch zu den Profiteuren der Krise zu gehören. Der Anteil der Unternehmen, die von einer positiven Entwicklung der Umsätze und der Erträge berichten, ist im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum vierten Quartal 2008 leicht gestiegen. Bei den technischen Beratern und Planern, den Unternehmen der Branche Forschung und Entwicklung sowie den Werbefirmen macht sich die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage hingegen deutlich bemerkbar. Die Mehrheit der Unternehmen aus diesen drei Branchen berichtet im ersten Quartal 2009 von sinkenden Umsätzen und Erträgen sowie einer nachlassenden Nachfrage.

Der ZEW-IDI

Der ZEW-IDI wird aus den vier Komponenten Umsatzlage, Nachfragelage, Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen (jeweils im Vergleich zum vorhergehenden beziehungsweise nachfolgenden Quartal) gebildet. Sie gehen jeweils mit gleichen Gewichten in die Berechnung ein. Umsatzlage und Nachfragelage bilden einen Teilindikator, der die Geschäftslage widerspiegelt. Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen bilden einen Teilindikator, der die Geschäftserwartungen widerspiegelt. Das geometrische Mittel der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen ergibt den Wert des ZEW-Indikators der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal. Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI bietet die ZEW-Dokumentation Nr. 03-09.

Die Konjunkturumfrage von ZEW/Creditreform

An der vierteljährlichen Umfrage beteiligen sich jeweils rund 900 Unternehmen. Der Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT-) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Software und IT-Dienste, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung).

Überblick über die ZEW/Creditreform Konjunkturumfrage

Allgemeine methodische Hinweise

Beschreibung des bei der ZEW/Creditreform angewendeten Hochrechnungsverfahrens

Anmerkung zur Hochrechnung

Um die Repräsentativität der Analysen zu gewährleisten, rechnet das ZEW die Antworten der Umfrageteilnehmer mit dem Umsatzgewicht der Unternehmen am gesamten Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft hoch. Die Formulierung "Anteil der Unternehmen" reflektiert somit den "Umsatzanteil der Unternehmen".

Ansprechpartner

Dr. Jenny Meyer, E-Mail: meyer@zew.de

Datum

15.04.2009

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Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

sabine.elbert@zew.de