Die optimistischen Erwartungen der Dienstleister der Informationsgesellschaft für das zweite Quartal 2002 haben sich nicht erfüllt. Das Umsatzwachstum im Wirtschaftszweig hat sich verlangsamt und liegt aktuell bei einer jährlichen Rate von 2,5 Prozent.

Im ersten Quartal 2002 hatte die Umsatzwachstumsrate noch einen Prozentpunkt über diesem Wert gelegen. Insbesondere der IKT-Handel ist von der Konjunkturflaute betroffen.

Dies ist Ergebnis einer Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft. Dieser Wirtschaftszweig setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT-) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen EDV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung- und Entwicklung sowie Werbung). An der Umfrage, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform, Neuss, im Juli 2002 durchgeführt hat, beteiligten sich rund 1.200 Unternehmen.

Die aktuelle jährliche Umsatzwachstumsrate der IKT-Branchen beträgt 3,2 Prozent. Die wissensintensiven Branchen wachsen zur Zeit mit einer jährlichen Umsatzwachstumsrate von 2,3 Prozent. Verantwortlich für die im Vergleich zum Vorquartal schlechte Entwicklung ist zum einen die gesamtwirtschaftliche Lage. Zum anderen ist der Rückgang der jährlichen Umsatzwachstumsrate der Dienstleister der Informationsgesellschaft vor allem auf die konjunkturelle Entwicklung des IKT-Handels zurückzuführen. Insbesondere in dieser Branche ist der Umsatz im zweiten Quartal stark eingebrochen.

Per Saldo zeichnet sich im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft noch keine Nachfragebelebung ab. Der Umsatzanteil der westdeutschen Unternehmen, deren Erträge im zweiten Quartal 2002 im Vergleich zum Vorquartal gefallen sind, beträgt etwa 30 Prozent. In Ostdeutschland liegt dieser Anteil sogar bei 42 Prozent.

Auch die Erwartungen für das kommende Quartal stimmen nicht zuversichtlich. So bewerten die Unternehmen die Aussichten für das dritte Quartal 2002 weniger optimistisch als im ersten Quartal. Der Umsatzanteil der Unternehmen, die im dritten Quartal mit steigenden Umsätzen rechnen, beträgt zwar fast 45 Prozent. Jedoch liegt der Umsatzanteil der Unternehmen, die erwarten, dass sich auch die Ertragslage bessern wird, bei lediglich 25 Prozent. Aufgrund dieser Einschätzung haben viele Dienstleister der Informationsgesellschaft im zweiten Quartal 2002 ihren Personalbestand weiter verringert. Der Umsatzanteil der Unternehmen, die erwarten, dass sie auch im dritten Quartal Personal entlassen werden, beträgt mehr als 25 Prozent.

Den höchsten Anteil an Unternehmen, deren Umsatz im Vergleich zum Vorquartal gestiegen ist, verzeichnen im zweiten Quartal 2002 die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie die Forschungs- und Entwicklungsunternehmen. Diese zwei Branchen sind im zweiten Quartal von den neun befragten Branchen auch die einzigen, die per Saldo mehr Personal eingestellt als entlassen haben.

Konjunkturelles Schlusslicht bilden im zweiten Quartal 2002 die Branchen IKT-Handel und Werbung. Der IKT-Handel, der im ersten Quartal noch optimistisch in die Zukunft blickte, wurde im zweiten Quartal enttäuscht. Sowohl der private als auch der industrielle Markt für Informations- und Kommunikationstechnologien entwickeln sich schlecht. Der Umsatzanteil der IKT-Händler, die von einer niedrigeren Nachfrage als im ersten Quartal 2002 berichten, beträgt mehr als 70 Prozent. Der IKT-Handel verzeichnet auch den höchsten Umsatzanteil von Unternehmen, deren Umsatz und Ertrag im zweiten Quartal 2002 gesunken sind.

Die Krise in der Werbebranche setzt sich im zweiten Quartal weiter fort. Da in den meisten Unternehmen die Werbebudgets für das gesamte Jahr gekürzt werden, rechnen die Werbeagenturen mit einem weiteren Nachfragerückgang im dritten Quartal 2002. Der Umsatzanteil der Werbeagenturen, die im zweiten Quartal ihren Personalbestand verringert haben, beträgt fast 60 Prozent.

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Dr. Margit Vanberg, E-Mail: vanberg@zew.de

Datum

24.07.2002

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