In der aktuellen Juli-Umfrage (07.07. – 13.07.2020) steigt der Indikator des China Economic Panel (CEP-Indikator) geringfügig um 1,2 Punkte auf einen neuen Wert von 31,7 Punkten. Der CEP-Indikator, der auf Basis des China Economic Panel in Kooperation mit der Fudan Universität, Shanghai, erhoben wird, gibt die Konjunkturerwartungen internationaler Finanzmarktexperten-innen und -experten für China auf Sicht von zwölf Monaten wieder.

Im Juli 2020 erhöht sich der CEP-Indikator um 1,2 Punkte.
Der CEP-Indikator steigt in der Juli-Umfrage auf einen neuen Wert von 31,7 Punkten.

„Die Veränderungen der Konjunktureinschätzungen gegenüber dem Vormonat weisen darauf hin, dass eine Abschwächung der aufwärtsgerichteten Dynamik erwartet wird“, so der Projektleiter der CEP-Erhebung Dr. Michael Schröder und Senior Researcher im Forschungsbereich „Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement“ am ZEW Mannheim. So ging der Anteil der Expertinnen und Experten, die eine starke Verbesserung erwarten von 33,3 Prozent auf jetzt 21,1 Prozent zurück. Eine Mehrheit von 52,6 Prozent erwartet für die nächsten 12 Monate nur noch eine leichte Verbesserung.

„Das kürzlich publizierte und überraschend hohe Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal von 3,2 Prozent zum Vorjahr dürfte sich entsprechend diesen Einschätzungen im zweiten Halbjahr wieder abschwächen“, erwartet  Michael Schröder auf Basis der aktuellen Umfragedaten. Für das dritte Quartal erwarten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur einen Anstieg des realen BIP von 1,0 Prozent zum Vorjahr, für das vierte Quartal von 2,7 Prozent. Damit gehen die Wachstumsschätzungen für das gesamte Jahr ebenfalls weiter zurück und liegen in der aktuellen Umfrage nur noch bei 0,8 Prozent. Auch für 2021 verschlechtern sich die Wachstumsprognosen. Sie liegen nun bei 4,0 Prozent zum Vorjahr.

„Ein wichtiger Faktor für diesen für chinesische Verhältnisse recht verhaltenen Ausblick könnte eine weiter bestehende Zurückhaltung der privaten Haushalte bei den Konsumausgaben sein“, vermutet Schröder. Sowohl für den privaten Konsum als auch die privaten Investitionen haben sich die Erwartungen für die nächsten 12 Monate deutlich verringert. Als Folge der prognostizierten anhaltenden konjunkturellen Schwäche sollte sich nach Ansicht der Expertinnen und Experten auch die Beschäftigungssituation deutlich verschlechtern. Der Anstieg der Erwartungen für den Staatskonsum zeigt, dass weiterhin mit einem starken konjunkturpolitischen Engagement des Staats gerechnet wird. Als Folge dauerhafter, aktiver Konjunkturpolitik und trotzdem relativ schwachem Wachstum wird eine signifikante Zunahme der Verschuldung prognostiziert. Angesichts dieser Einschätzungen relativiert sich das überraschend hohe Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Die im Rahmen des CEP Indikators befragten Expertinnen und Experten rechnen deshalb mit länger anhaltenden Problemen für die chinesische Wirtschaft.