Die Automobilindustrie ist eine der innovationsintensivsten Industrien in der Europäischen Union (EU). Das F&E Investitionsvolumen beträgt etwa 20 Mill. € pro Jahr. Somit ist diese Industrie eine der größten F&E Investoren in der EU. Die traditionell herstellungsbasierte Branche entwickelt sich dank dem technologischen Fortschritt zu einer zunehmend wissensbasierten Branche. Um wettbewerbsfähig, komfortabel, verkehrssicher und umweltfreundlich zu sein, müssten die neuen Autos mit den modernsten Technologien ausgestattet werden.
Das sogenannte „Europe 2020“ stellt eine Europäische Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum dar. Dabei stellt die Überwindung der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise ein kurzfristiges Ziel dar. Die Priorität der langfristigen Strategie liegt eher auf einem nachhaltigen Wachstum in Europa. Dabei ist die staatliche Unterstützung („public support“) ein mögliches politisches Instrument, um der Europäischen Wirtschaft zu helfen aus der Krise herauszukommen. Die Automobilindustrie ist eine jener Industrien, die solche staatliche Unterstützung verlangen könnte. Mithilfe von Kredit und Nachfrageförderung könnten beispielsweise die Entwicklung der „grünen“ Autos angeregt und Anreize für intelligente Investments geschaffen werden. Solch eine Unterstützung mag für die kurzfristige Bewältigung der Probleme förderlich sein, könnte jedoch die langfristige Entwicklung bzw. Wettbewerbsfähigkeit der Branche beeinflussen, z.B. durch Aufschiebung der Lösung der strukturellen Probleme (wie z.B. Überkapazitäten) auf die Zukunft. Die Kontrolle der staatlichen Beihilfen setzt voraus, dass jede staatliche Unterstützung (unabhängig vom primären Ziel wie z.B. Verbesserung der Umweltfreundlichkeit der Autos, F&E Förderung, oder Simulierung der Nachfrage, usw.) keine verzerrenden Effekte auf Handel und Wettbewerb haben sollte.
In diesem Projekt untersuchen wir die Wettbewerbseffekte der staatlichen Unterstützung auf dem europäischen Automobilmarkt. Im Fokus dieser Studie ist die Analyse der Wirkung der ausgewählten staatlichen Unterstützungsmaßnahmen (insbesondere der subventionierten staatlichen Kredite und Abwrackprämien) auf die Marktstruktur und die Schätzung resultierender Wohlfahrtseffekte. Zu diesem Zweck wenden wir zwei komplementäre Ansätze an. Zunächst schätzen wir ein strukturelles Oligopolmodel für den Europäischen Automobilmarkt, um einige politische kontrafaktische Szenarien (wie z.B. der Austritt eines Automobilherstellers) durchzuführen. Außerdem wenden wir den so genannten „treatment effects“ Ansatz an, um die Effektivität der nachfragefördernden Maßnahmen der staatlichen Unterstützung, wie z.B. Abwrackprämien für die Förderung der gesamten Automobilnachfrage und der Nachfrage für kraftstoffsparende Autos, zu analysieren. Wir diskutieren unsere Ergebnisse hinsichtlich der Politik der staatlichen Unterstützung für den Europäischen Automobilmarkt und die resultierenden Effekte für die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem entwickeln wir einen methodologischen Ansatz der Wohlfahrtseffektanalyse der staatlichen Beihilfen, welcher für andere Industrien oder Märkte (z.B. von den Wettbewerbsbehörden) verwendet werden könnte.

Das Forschungsprogramm "Strengthening Efficiency and Competitiveness in the European Knowledge Economies (SEEK)" wird durch das Land Baden-Württemberg gefördert.

Weitere Informationen zum SEEK-Forschungsprogramm.

Ausgewählte Publikationen

Discussion Papers und Working Papers

Grigolon, Laura, Nina Leheyda und Frank Verboven (2012), Public Support for the European Car Industry: An Integrated Analysis, ZEW Discussion Paper No. 12-077, Mannheim. Download