Einkommensschwache Haushalte stehen hinsichtlich der gesellschaftlichen Transformation hin zu einer Dekarbonisierung der deutschen Wirtschaft vor mehreren Herausforderungen. So werden sie sowohl durch preisbasierte Instrumente der Transformation proportional höher belastet als besserverdienende Haushalte und weisen gleichzeitig eine geringere Elastizität in der Strom- und Wärmenachfrage auf. Diese Situation ist kein Randphänomen: Etwa 16 Prozent aller Haushalte in der Bundesrepublik gelten als einkommensschwach. Gleichzeitig sind diese Haushalte trotz ihrer besonderen Betroffenheit und trotz der politischen Aufmerksamkeit verhältnismäßig wenig beforscht und damit auch in der Diskussion kaum mit empirischer Evidenz präsent.
Das Projekt „Steigerung der Energieeffizienz in einkommensschwachen Haushalten: Empirische Evidenz und Feldexperimente“ (ERWIN) schließt eine wichtige Evidenzlücke zur fundierten Ausgestaltung von Transformationsprogrammen, in denen eine Teilhabe der wirtschaftlich Schwächsten politisch erwünscht und explizit vorgesehen ist. Im Rahmen des Projekts wird ein für wissenschaftliche Untersuchungen bislang ungenutzter Datensatz erschlossen, welcher detaillierte Informationen zum energierelevanten Verhalten von knapp 400.000 einkommensschwachen Haushalten enthält. Die betrachteten Haushalte haben an einem der größten bundesweiten Programme zur Unterstützung der Energieeffizienz wirtschaftlich schwacher Gruppen in Deutschland teilgenommen. Die Daten ermöglichen neue Einblicke in die Reaktion einkommensschwacher Haushalte auf finanzielle und verhaltensökonomische Anreize zur Modernisierung von energieintensiven Haushaltsgütern. Im Rahmen eines auf der empirischen Analyse aufbauenden Feldexperiments sollen weitere wichtige nicht-finanzielle Dimensionen der Programmausgestaltung systematisch untersucht werden. Verschiedene verhaltensökonomische Interventionen, etwa in Form von Framings oder kognitiven Hilfestellungen, werden in enger Zusammenarbeit mit den Programm- und Standortkoordinierenden entwickelt und in einem randomisierten Feldexperiment implementiert. Damit gewinnt ERWIN einen direkten Zugang zu einer bisher zu wenig beforschten sozialen Gruppe und trägt zu einer evidenzbasierten Weiterentwicklung von Transformationsprogrammen bei.