Die grenzüberschreitende Unternehmensbesteuerung innerhalb der EU und der OECD verzerrt Investitions- und Finanzierungsentscheidungen und die Kapitalallokation. Ursache dafür sind die hohen Steuerniveauunterschiede in Folge nicht harmonisierter Steuersysteme und die parallele Anwendung des Wohnsitz- und des Quellenprinzips. Den damit in Zusammenhang stehenden Möglichkeiten zur Verlagerung von Gewinnen in Niedrigsteuerländer - beispielsweise mittels konzerninterner Finanzierungsgestaltungen, der Einschaltung von Zwischengesellschaften oder der Verlagerung immaterieller Wirtschaftsgüter - begegnen die Mitgliedstaaten der EU und der OECD zunehmend mit speziellen Missbrauchsbekämpfungsvorschriften. Diese sind jedoch selten zielführend, führen in vielen Fällen zur Doppelbesteuerung und zusätzlichen Verzerrungen und beinhalten zudem hohe Befolgungs- und Kontrollkosten. Im Rahmen des Projekts wird daher die Entwicklung der grenzüberschreitenden Besteuerung von Unternehmensgewinnen, Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren auf Unternehmensebene innerhalb der EU und einzelner Staaten der OECD von 1998 bis zum Jahr 2011 aufgezeigt und bewertet. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse von Zinsabzugsbeschränkungen, Regelungen, die den Einsatz von Zwischengesellschaften beschränken sowie der Besteuerung der Verlagerung immaterieller Wirtschaftsgüter.  Zentrales Beurteilungskriterium der steuerlichen Regelung ist das Ausmaß der Entscheidungsneutralität. Dabei wird auf effektive Steuersätze auf Basis der Methodik von Devereux & Griffith zurückgegriffen. Ergänzend wird im Rahmen der Beurteilung der grenzüberschreitenden Unternehmensbesteuerung auf die Konformität der untersuchten Regelungen mit europarechtlichen Vorgaben und Doppelbesteuerungsabkommen eingegangen. Und auch Aspekte der Umsetzbarkeit und Implikationen des Konzepts der zwischenstaatliche Fairness (inter-nation equity) werden thematisiert.