In diesem Projekt wurde untersucht, mit welchen theoretischen Grundlagen Entscheidungsdeterminanten in der Industrie differenziert analysiert werden können. Die Diskussion unterschiedlicher Ansätze zeigte die Vorteile von evolutorischen Ansätzen und historisch-analytischen Methoden für die Behandlung derartiger Fragestellungen. Die Entwicklung der Technik und der Industrie zeigt, dass die Freiheitsgrade von einzelnen Entscheidungsträgern in der Regel begrenzt sind und der technologische Fortschritt innerhalb von relativ engen Korridoren erfolgt. Die damit angesprochene Path-Dependency-Hypothese konnte im Rahmen dieser Studie für die Zellstoffindustrie, die natürliche Rohstoffe verarbeitet, bestätigt werden. Um die Rolle derunterschiedlichen Produktionsfaktoren bei Innovationen zu analysieren, wurde eine detaillierteAnalyse der technischen Produktionsfaktoren in der Zellstoffindustrie für den Zeitraum der letzten 50 Jahre durchgeführt. Während die Produktivität von Arbeit und Energie in dieser Zeit aufgrund von Innovationen deutlich zunahm, konnten bezüglich der Materialproduktivität (Einsatz von Holz in der Zellstoffproduktion) kaum Fortschritte erkannt werden. In Deutschland, wo aufgrund politischer Regulierungen der Zugriff auf Wald als Rohstofflieferant erschwert wurde, konnte die Substitution von Holz durch Altpapier in großem Umfang durchgesetzt werden. Der für die Papierproduktion weiterhin nötige hochwertige Frischfaserzellstoff wird zum größten Teil aus anderen Ländern importiert. Parallel zur Steigerung des Einsatzes von Altpapier in der Papierherstellung vollzog sich in der Zellstoffherstellung eine Veränderung bezüglich der Art von Hölzern, die als Rohstoff nachgefragt werden. Diese Entwicklung führte in den betroffenen Ländern zu einer tiefgreifenden Änderung des Baumbestands und der Wälder zugunsten von Monokulturen mit schnell wachsenden Baumarten. Die aktuellen Technologietrends zeigen, dass die Produktionstechniken der Zellstoffindustrie sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend verändern werden. Produktivitätsgewinne bezüglich der eingesetzten Rohstoffe werden hauptsächlich dadurch erzielt, dass der Wald gentechnisch an den zukünftigen Bedarf der Papierindustrie angepasst wird.

Auftraggeber

Umweltbundesamt , Dessau , DE

Projektzeitraum

01.01.1999 - 31.12.2000

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